1. Kultur

Aachen: Meister mit Schwächen

Aachen : Meister mit Schwächen

Eigentlich konnte bei dieser Konstellation von Programm und Ausführenden nichts schiefgehen: Russische Musik, gestaltet von einem russischen Orchester, versprach ein authentisches Musikerlebnis.

Die Moskauer Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Yuri Simonov hatten bei der dritten Zugabe am Ende des 7. Meisterkonzertes im Eurogress ihr Publikum fest im Griff, nicht zuletzt, weil Simonov voll auf die Karte knallige Effekte setzte.

Zuvor hatte man das Orchester auch klanglich differenzierter gehört. Etwa bei der Ouvertüre „Große Russische Ostern” von Nikolai Rimski-Korsakow: Hier präsentierte es sich als großer, äußerst disziplinierter Strei-cherapparat mit nicht ganz gleichwertig homogenen Bläsern.

Bei Peter Tschaikowskys Klavierkonzert b-Moll wirkte der Orchesterpart sehr zurückgenommen. Für den nötigen Funkenflug musste hier der junge russische Pianist Kirill Gerstein sorgen, der den hochvirtuosen Klavierpart mit großem klanglichen Durchsetzungsvermögen, blendender Technik, im Mittelsatz poesievoll und differenziert spielte. Gersteins Gershwin-Zugabe blieb im brillanten, rhythmisch-rasanten Bereich.

Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung” in der Orchesterfassung von Maurice Ravel ist ein publikumswirksames, dabei höchst originelles Werk, mit dem jedes Spitzenorchester seine Visitenkarte abgeben kann. Simonov ließ dem Betrachter der Bilder recht viel Zeit, seine Promenaden von Bild zu Bild waren behäbig, die Tempi allgemein recht betulich.

Wirkte Simonov im ersten Konzertteil wie ein Grandseigneur, der mit einem Minimum an Gestik auskam, so tat er im zweiten Teil etwas für das Publikum und stellte den Inhalt der musikalisch gestalteten Bilder mit seiner Körpersprache dar. Das war aber kein Ersatz für den insgesamt wenig brillanten Klang des Orchesters.

Von den drei Zugaben waren Mussorksys Introduktion und Polonaise aus „Boris Godunow” und Tschaikowskys Walzer aus „Nussknacker” ungehemmt lärmend und die „Valse triste” von Sibelius klanglich subtil gestaltet.