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Köln/Meckenheim: Meisner enthebt Priester des Amtes: Geistlicher wehrt sich

Köln/Meckenheim : Meisner enthebt Priester des Amtes: Geistlicher wehrt sich

Seit dreieinhalb Jahren ist Michael Jung katholischer Pfarrer in Meckenheim bei Bonn. Der 42-Jährige betreut fünf Pfarreien mit rund 12.000 Mitgliedern.

Seit Freitag ist er nicht mehr im Amt - zumindest wenn es nach dem Kölner Kardinal Joachim Meisner geht, denn der hat ihn - in Meisners fast 20jähriger Kölner Amtszeit einmalig - des Priesteramtes enthoben. Doch Jung wehrt sich. Er sieht sich zu Unrecht beschuldigt, eine bischöfliche Visitation (Besuch) verweigert, Mitarbeiter zur Illoyalität gegenüber dem Erzbistum aufgerufen und das Bistum wegen verschiedener Sparmaßnahmen der Untreue bezichtigt zu haben. „Ich bin und bleibe rechtmäßig Pfarrer in Meckenheim”, sagte Jung am Montag der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Die Sanktionen hält Jung für nichtig. Am Wochenende zumindest hat er noch alle Messen gelesen. Beim Landgericht Rheinbach erwirkte er am Samstag eine Einstweilige Verfügung gegen das Erzbistum. Darin wurde dem Erzbistum Köln aufgegeben, auf die Verlesung eines „Proclamandums”, also der Begründung für die Amtsenthebung, zu verzichten. In dem Proclamandum hatte es unter anderem geheißen, Jung habe ein völlig inakzeptables und unangemessenes Verhalten an den Tag gelegt und alle Angebote zur Konfliktlösung verweigert.

Das gesamte Amtsenthebungsverfahren sei eine Farce und werde auf dem Rücken der Gemeinde ausgetragen, sagte Jung. Seine Mitarbeiter fühlten sich so unter Druck gesetzt, dass sie sich krankgemeldet hätten. Natürlich hätte er die geplante Visitation unterstützt, wenn die Visitationspraxis im Kölner Erzbistum denn dem kanonischen Recht (Kirchenrecht) entspräche. Jung kritisiert insgesamt das gegen ihn gerichtete Amtsenthebungsverfahren. Kardinal Meisner sei Kläger und Richter zugleich.

Am Freitag hatte Kreisdechant Auel als „Gemeinderverweser”, also als kommissarischer Pfarrer eingesetzt, unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen. Er hatte ein Hausverbot aussprechen sollen und versucht, die Schlüssel für das Pfarrhaus zu erhalten. Er sei aufgefordert worden, innerhalb von 15 Minuten die Schlüssel zu übergeben, sagte Jung. Als er sich weigerte, suchte Auel Hilfe bei der Polizei.

Die Beamten hätten schon geahnt, dass sie da kein alltäglicher Einsatz erwarte, sagte ein Sprecher der Bonner Polizei. Beide seien daher in Zivil nach Meckenheim gefahren, um Aufsehen zu vermeiden. Sie sondierten die Lage und kamen zu dem Schluss, dass sie ohne richterlichen Beschluss nicht eingreifen konnten. Hier traf Kirchenrecht auf staatliches Recht.

Natürlich blieb das Vorgehen des Erzbistums gegen ihren Seelsorger den Gemeindemitgliedern nicht verborgen. Manche bedauerten, dass sie am Sonntag die Gründe von Kardinal Meisner für die Amtsenthebung nicht erfuhren. Andere stärkten Jung demonstrativ den Rücken. Dieser habe bei seinem Amtsantritt „völlig desolate Pfarrgemeinden vorgefunden und anschließend „nicht die notwendige Unterstützung des Erzbischofs bekommen”, sagte Bernhard Heckenbücker vom Kirchengemeindeverband dem „Kölner Stadt-Anzeiger”. Nach seiner Ansicht habe der Erzbischof die seelsorglichen Pflichten gegenüber dem Pfarrer nicht erfüllt. Jung sei ein sehr guter Seelsorger.

Zur aktuellen Entwicklung wollte das Erzbistum Köln am Montag nicht Stellung beziehen. Die Amtsenthebung sei zugestellt worden und damit in Kraft, sagte Sprecher Christoph Heckeley. In der Vergangenheit sei versucht worden, das Problem anders zu lösen, das alles aber habe nicht gefruchtet. Er verwies auf ein für Dienstag in Köln mit Jung vereinbartes Gespräch. Der aber will diesen Termin verstreichen lassen. „Ich bleibe in Meckenheim”, sagte er. Widerspruch gegen den Kölner Beschluss ist beim Vatikan möglich. Doch dass dieser Weg für ihn Erfolg bringen wird, das glaubt er nicht.