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Aachen: „Mein Vaterland“: Sechs Gemälde, sinfonische Sätze und ein Thema

Aachen : „Mein Vaterland“: Sechs Gemälde, sinfonische Sätze und ein Thema

Emil Ciocoiu und Kazem Abdullah haben sich nicht weniger vorgenommen, als ein mittleres Unrecht zu bekämpfen. Ihr Anliegen: Bedich Smetanas (1824-1884) sinfonische Dichtung „Mein Vaterland“ aus seiner weit verbreiteten Reduktion auf den einen viel gehörten und eingängigen Satz „Die Moldau“ zu befreien.

Dazu nähern sich der Aachener Maler mit rumänischen Wurzeln und der in den USA geborene Generalmusikdirektor am Theater Aachen dem Werk des Prager Komponisten von ihrer jeweiligen künstlerischen Position. Herausgekommen ist eine Verschmelzung von Klassik und Malerei, die beim fünften Sinfoniekonzert der Saison am 20. und 21. März präsentiert auf die Bühne des Aachener Eurogress gebracht wird.

„Smetanas Vermächtnis, das ist viel mehr als nur die ,Moldau‘“, findet Ciocoiu, der Maler. „Der Zyklus ,Mein Vaterland‘ besteht aus sechs Sätzen, von denen jeder für sich als eigenes Kunstwerk steht.“ Sechs Sätze, die den Maler zu sechs Bildern inspiriert haben, die beim Sinfoniekonzert sowohl ausgestellt als auch per Projektion in das von Abdullah dirigierte Konzert eingebunden werden. „In Smetanas Werk stecken viele Emotionen und Kraft“, sagt der GMD. „Er hat Eindrücke aus seiner Heimat verarbeitet, er zeichnet die Landschaft musikalisch nach und schildert Geschichten und Sagen. Das wollen wir transportieren.“

Der Generalmusikdirektor war es, der mit der Idee für die Verbindung von Musik und Malerei auf den Plan trat. Mit Emil Ciocoiu war er sich schnell einig — „es passt, wir haben uns sofort verstanden“. In Ciocoius Atelier an der Mariahilfstraße mitten in Aachen trafen sich Musiker und Maler in den vergangenen Monaten immer wieder, um den gemeinsamen Plan zu konkretisieren. „Wir haben die Musik gemeinsam gehört, immer wieder“, sagt Ciocoiu, der zuletzt im Karlsjahr 2014 mit einem gewaltigen Ölporträt des Frankenherrschers für Aufsehen gesorgt hatte. „Die Chemie stimmte. Ich habe mich dann außerdem vor Ort inspirieren lassen.“

Vor Ort, das ist die böhmische Heimat Smetanas. Eine Landschaft voller Geschichte und Geschichten, die Ciocoiu aufgesogen und mit den Eindrücken der Musik in den sechs Bilder verarbeitet hat. „Ich habe versucht, Smetanas Heimat so einzufangen, wie er sie damals gesehen haben könnte. Und das ist definitiv ein anderes Szenario, als man es heute vorfindet.“

„Má vlast“, so der Originaltitel von „Mein Vaterland“, mit dem künstlerischen Mehrwert der Malerei auf die Bühne zu bringen: Das ist für Abdullah eine besondere Sache, „eine Herzensangelegenheit“, sagt der Mann, der 2017 seinen Posten in Aachen aufgibt. „Ich bin froh, dass wir dieses Konzert in Aachen mit dem Sinfonieorchester umsetzen können.“

Der Heimat-Begriff spielt beim Konzert auf einer weiteren Ebene eine Rolle. Die Internationale Förderklasse des Aachener Couven Gymnasiums mit Schülern aus Syrien und Afghanistan haben sich im Vorfeld in Workshops mit dem Thema auseinandergesetzt und präsentieren das Ergebnis im Foyer des Eurogress.

(alba)