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Aachen: Mehr als ein Konzert: Konstantin Wecker in Aachen

Aachen : Mehr als ein Konzert: Konstantin Wecker in Aachen

Musik, Politik und Lyrik: Einen Abend mit Konstantin Wecker nur als Konzert zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Der Politbarde kommt nach sechs Jahren mit einem neuen Studioalbum daher: „Wut und Zärtlichkeit”. Dazwischen schwankt der Abend im gut zur Hälfte gefüllten Aachener Eurogress.

Doch nur neue und alte Lieder vorzutragen, das reicht dem 64-Jährigen nicht. Er rezitiert seine Lieblingsgedichte von Rilke und Brecht, schäkert mit dem Publikum. Erzählt ganz selbstverständlich, wie er im Knast durch seinen Zellennachbar zu einem Lied inspiriert wurde. Erinnert sich schmunzelnd an die 1970er Jahre, als „meine Lieder noch im Radio gespielt wurden”. Wundert sich, dass an die Stelle des Terrorexperten nun der Protestforscher getreten ist. Und appelliert eindringlich ans Publikum: „Wer jetzt den Hintern nicht hoch kriegt gegen eine hemmungslose Finanzwirtschaft, der ist wirklich selber schuld.”

Weil der Monitor ausgefallen ist, hat Wecker Noten und Texte in einem Buch vor sich. „Eigentlich wollte ich ja so tun, als könnte ich alle Texte auswendig”, gibt er freimütig zu. Ständig wechselt er zwischen Sitzhocker und Klavier, zeigt, dass er auch beatboxen kann, flitzt tanzend über die Bühne und sogar hinunter zu seinen Fans. Dass seine Stimme an diesem Abend angeschlagen ist, merkt man dem Routinier nicht an. Er schmettert das eindringliche „Empört Euch!” laut heraus, nur um im nächsten Moment ein Liebeslied sanft ins Mikrofon zu hauchen. Süffisant und herrlich theatralisch besingt der Münchner das Dekolleté der Kanzlerin und präsentiert ein Lied über einen wild gewordenen Rentner. „Das habe ich im vorauseilenden Gehorsam geschrieben”, sagt Wecker. Dass der Mann bald wirklich 65 Jahre alt wird, mag man kaum glauben, wenn man ihn auf der Bühne beobachtet.

An seiner Seite stehen drei exzellente Musiker. Sie wechseln so virtuos zwischen den Instrumenten, dass man manchmal den Eindruck hat, da oben stünde ein komplettes Orchester. Mehr als zweieinhalb Stunden lang begeistert Konstantin Wecker seine Fans. Tritt immer wieder für Zugaben vor sein Publikum, das ihm stehend applaudiert - für einen Abend, der viel mehr war als nur ein Konzert.