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Hamburg: Mehmet Kurtulus: „Zu jung, um mich auf dem Tatort auszuruhen”

Hamburg : Mehmet Kurtulus: „Zu jung, um mich auf dem Tatort auszuruhen”

Mehmet Kurtulus wurde 1972 in der Türkei geboren und zog zwei Jahre später mit seiner Familie in das niedersächsische Salzgitter. 1998 gelingt ihm mit Fatih Akins „Kurz und schmerzlos” der Durchbruch, der mit dem Grimme-Preis belohnt wird.

In der Folge dreht Kurtulus mit Roland Suso Richter („Der Tunnel”), Doris Dörrie („Nackt”) und abermals Akin („Gegen die Wand”). Ab Sonntag (26. Oktober, 20.15 Uhr) ist der Freund von Désirée Nosbusch als neuer Hamburger „Tatort”-Ermittler Cenk Batu in der ARD zu sehen. Über Integration, Ritterschläge und Reisen sprach ddp-Korrespondentin Jana Werner in Hamburg mit dem 36-Jährigen.

Herr Kurtulus, Sie haben Batu mitentwickelt und schlüpfen künftig innerhalb der Rolle in stets neue Figuren. Das muss ein Geschenk für einen Schauspieler sein?

Kurtulus: Ganz im Gegenteil, das ist eher ein schlechtes Geschäft: Ich muss drei Rollen spielen, bekomme aber nur eine bezahlt. Nein, im Ernst: Das ist gewiss eine große Herausforderung für mich. Ich kann innerhalb der Figur neue Facetten zeigen, weil sich Batu als verdeckter Ermittler stets auf neue Situationen einstellen muss. Zu den Schattenseiten seines Jobs gehört leider, dass er oft allein unbequeme Entscheidungen treffen muss. Und ihm begegnen hin und wieder Momente, die er nicht ausleben kann.

Wie wichtig war es für Sie, dass Sie den ersten türkischstämmigen „Tatort”-Kommissar verkörpern?

Kurtulus: Natürlich freut mich das, aber für die Rolle an sich ist das nebensächlich. Batu ist Beamter und macht seine Arbeit, unwichtig welche Wurzeln er hat. Die Betonung darauf hat meiner Meinung nach doch etwas Entlarvendes.
Aber dass es Batu nun in der ARD gibt, hat auch ein großes Medieninteresse bewirkt. Hat Sie das überrascht?

Kurtulus: Selbstverständlich. In dieser Form habe ich das nicht erwartet. Einerseits freut mich das Medieninteresse. Andererseits ist mir klar geworden, dass damit nicht der neue Hamburger „Tatort” begrüßt wird, sondern der erste türkischstämmige Ermittler innerhalb dieses Formats. Das hat mir insofern zu denken gegeben, dass wir in Sachen Integrationspolitik vielleicht doch noch nicht so weit sind, wie wir alle glauben.

In Hamburg sind Sie Ihre ersten beruflichen Schritte gegangen. Hätte es folglich keine andere Stadt als TV-Ermittler sein dürfen?

Kurtulus: Dass ich einen Ermittler in Hamburg spiele, hat meine ohnehin schnelle Zusage sehr beeinflusst. Ich kenne die Stadt richtig gut, was vieles einfacher macht. Aber ich habe mir nach dem Angebot auch die Frage gestellt, ob ich eine Figur über einen so langen Zeitraum spielen und weiterentwickeln möchte. Ich bin es überwiegend gewohnt, für einen Film in einen Charakter zu schlüpfen und diesen anschließend wie einen guten Freund zu verabschieden.

Wir ordnen Sie den „Tatort”-Ritterschlag ein?

Kurtulus: Für Einige mag es der Zenit ihrer Karriere sein. Ich empfinde ihn schon im Vorfeld als Katalysator. Ich bin noch zu jung, um mich auf dem „Tatort” auszuruhen. Es ist ein weiterer Meilenstein in meinem Leben, so wie es „Kurz und schmerzlos” war, „Nackt” oder auch „Der Tunnel”. Ich wünsche mir, dass sich meine Arbeiten beim Film mit dem Fernsehen befruchten. Bislang bin ich den TV-Zuschauern kaum bekannt, das wird sich durch den „Tatort” hoffentlich ändern.

Über Ihr Privatleben wird hin und wieder berichtet, aber wie ist Mehmet Kurtulus fernab der Kameras wirklich?

Kurtulus: Ich reise gern. Bei meiner Partnerin Désirée Nosbusch habe ich Glück. Wir mögen es beide, dorthin zu gehen, wo wir noch nicht waren. Wir sind neugierig. Wenn man reist, hat man die Chance, auch mal über seinen eigenen Tellerrand zu schauen. Das relativiert das eigene Leben sehr. Ansonsten bin ich schüchtern, bescheiden und optimistisch.

Haben Sie noch eine Verbindung nach Salzgitter?

Kurtulus: Ja, meine Eltern leben nach wie vor in Salzgitter. Bei aller Vielfalt, Reiserei und Weltoffenheit bin ich ein Mensch, der seinen Werten und Normen treu bleibt. Ich kann morgen nach Shanghai ziehen, und dennoch bleiben all die hinterlassenen Orte immer ein Teil meines Lebens. Heimat ist für mich kein Ort, sondern ein Gefühl.