Aachen: „Meeting Joint“: Im Gefühls-Chaos der Pubertät

Aachen: „Meeting Joint“: Im Gefühls-Chaos der Pubertät

Pubertät — überlebt man das? Das innere Gefühls-Chaos ist ebenso bunt und durcheinander wie die eine Seite der beweglichen Kulisse des neuen Greta-Stücks „Meeting Joint“, mit dem das junge Grenzlandtheater am Freitag am Geschwister-Scholl-Gymnasium Premiere feierte.

Marie ist die Einzige der Klasse, die eine Aussicht auf das Abitur hat. Doch sie läuft von zu Hause weg, weil ihr der neue Freund der Mutter nicht passt. Nach einer Woche Auszeit von Schule und Familie und einem epileptischen Anfall sind ihre „schwarzen Wolken wieder verflogen“.

Ann kommt dagegen meistens fröhlich daher. Sie ist nicht nur beliebt, sondern auch verliebt, und mit der Schule wird es dank Maries Hilfe auch besser. Doch warum fragt sie eigentlich niemand, wie es ihr wirklich geht?

Louis, Anns Auserwählter, nimmt das Leben leicht — besonders seit er Gras zu schätzen weiß. Doch was soll er auf die ständigen Nörgeleien nach Schule und Ausbildung antworten, mit denen jetzt auch noch Ann anfängt? Und warum sieht er die unbeliebte Streberin Marie plötzlich in einem ganz anderen Licht?

In einer Stunde Spielzeit bringt Autorin Mirjam Neidhart wirklich viel von dem, was Jugendliche beschäftigt oder beschäftigen könnte, auf die Bühne. Zu viel?

Stück mit vielen Songs

Nein, die Inszenierung von Mateusz Dopieralski — viel wird über Songs transportiert — ist mehr als glaubhaft, sie ist mitreißend: Manchmal komisch, wenn Louis fast an dem Rätsel verzweifelt, wie die Mädchen trockenen Fußes zum Bootshaus gelangen, während er doch immer hinschwimmt. Manchmal beängstigend, wenn Ann sich um Martin und letztlich um Louis sorgt, der durchs Kiffen psychisch angeschmiert ist. Immer verwirrend, wenn es um Liebe geht. Es geht wohl auch so gut, weil bei allem modernen Anstrich die Themen doch immer die gleichen waren und sind.

Raphaela Kiczka ist die spröde Marie, die es nicht leicht hat, aber dennoch leicht auf den Gefühlen anderer herumtrampeln kann. Die schöne Ann wird von Stefanie Winner verkörpert, die ihr bei aller Sorglosigkeit auch eine gehörige Portion Wut mit wildem Blick verpasst.

Manuel Bashipour als Louis ragt aus der sehr guten Leistung des noch jungen Ensembles ein Stück heraus. Man könnte vermuten, dass er sich eigentlich selbst spielt — egal ob beim Schauspielern, bei pantomimischen Einlagen, beim Singen oder Rappen— so authentisch wirkt sein Auftritt. Das Bühnenbild stammt von Tim Heinrichs.