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Würselen: Max Mutzke, einst schüchtern, heute Schwarzwälder Groovemaschine

Würselen : Max Mutzke, einst schüchtern, heute Schwarzwälder Groovemaschine

Max Mutzke gehört zu denen, die wissen, weshalb das Wiederkommen sich lohnt. Beim erneuten Gastspiel auf der proppenvollen Freilichtbühne Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg hat der Sänger einmal mehr die komplette Verwöhnpackung des Publikums genießen dürfen. Und umgekehrt war das nicht anders.

Vor zwei Jahren war der Schwarzwälder zuletzt dort zu Gast, und eigentlich „müsste ich jeden Monat hier auftreten“, ließ er sein Publikum wissen. „Bei euch in Würselen ist der Applaus einfach immer ein gutes Stück heftiger!“ Versteht sich, dass die euphorische Resonanz der Zuhörer, die beinahe jeden Refrain des Abends mitsangen, der Spielfreude der Musiker gut bekam.

In einem Hemd mit Dschungelmotiv, das bestens zur tropischen Hitze des Abends passte, zeigte Mutzke, dass er seit seinen Anfangstagen als Sänger ein ordentliches Stück in Sachen Bühnenpräsenz draufgepackt hat. Vorbei die Zeiten, in denen er meist durchgängig mit geschlossenen Augen und eher scheu seine Lieder vortrug. Längst ist er zum Entertainer gereift, der den lockeren Flirt mit dem Publikum schätzt.

Zum Auftritt kam der Mann mit vergleichsweise kleinem Besteck: seiner Hausband „Monopunk“. Dieses Trio erwies sich als veritable Groovemaschine, die einen satten Sound für die Songs von Mutzke lieferte, die sich mittlerweile durchgängig im Soul verorten. Bassist Danny Samar, Schlagzeuger Tobias Held und vor allem Keyboarder Maik Schott, der am Abend viel Platz für Improvisationen bekam, heimsten immer wieder Szenenapplaus ein. Dass Mutzke vor allem ein Mann für die Liveshow ist, wurde deutlich. Kaum ein Song des Abends, der im Vergleich zur Albumversion nicht noch eine Extraportion Druck und Soul bekommen hätte.

Was im Studio oft noch sehr viel Pop hat, lässt Mutzke auf der Bühne ein paar Grad heißer kochen. Das galt auch für den ersten großen Hit „Can‘t wait until tonight“, seinen Türöffner, den er immer noch spielt, ihn sich aber nicht mehr für den Höhepunkt aufspart. Als dritten Song des Abends präsentierte er den Song in Würselen in einer deutlich groovelastigeren Version — und schon da sprang das Publikum geschlossen auf und feierte die Qualität, die Max Mutzke zu bieten hat.

Richtig gut versorgt

„Welt hinter Glas“, seinen jüngeren Hit, gab es gleich hinterher und auch den lieferte er in neuem Gewand. Eine Coverversion von Alicia Keys „Empire State of mind“, eine intime Interpretation von „Schwarz auf Weiss“ und die Hymne „Praise the day“ — mittlerweile hat Mutzke beachtlich viele Stücke mit Hitqualität zu bieten. Und so wirkte der komplette Auftritt — satte zwei Stunden lang — wie aus einem Guss. Klar, dass es am Ende einmal mehr das gab, was ihm ein weiteres Wiederkommen erleichtern dürfte: den gewaltigen Applaus eines Publikums, das einmal mehr richtig gut versorgt wurde.