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Aachen: Max Herre und die Kurpark Classix: Das hat gepasst

Aachen : Max Herre und die Kurpark Classix: Das hat gepasst

Am liebsten geht er seinem Beruf immer noch im engsten Freundeskreis nach. Anders kann die Botschaft nicht lauten, als Max Herre und 19 weitere Musiker sich am Ende von ziemlich genau zweieinhalb Stunden Konzert bei den Zuschauern bedanken.

Zwar existiert die Formation Freundeskreis seit nunmehr rund sieben Jahren nicht mehr, doch auch mit den Mitgliedern des Kahedi Radio Orchestra präsentiert der Star sich Schulter an Schulter und Arm in Arm, lachend, schwitzend, glücklich. Max Herre und die Kurpark Classix: Das hat gepasst.

Dabei ging das kommerzielle Zugpferd der diesjährigen Auflage im Aachener Kurpark durchaus unter widrigen Bedingungen an den Start. Die Wohnzimmeratmosphäre, die das Konzertereignis stets auszeichnet, wird pünktlich zu Beginn durch einen Rohrbruch am Himmel auf den Prüfstand gestellt — damit ist bei einem Open-Air-Konzert natürlich immer zu rechnen.

Unerwartet hingegen kam die recht kurzfristige Absage der prominenten Joy Denalane, mit deren Namen im Vorfeld ebenfalls geworben wurde: Auf Facebook gab die Sängerin am Freitag — exakt 25 Stunden vor Showbeginn — bekannt, dass sie sich doch lieber als Jurorin in eine Castingshow setzt. Von Verständnis ist in den Kommentaren keine Spur. „Da freut man sich Monate lang und was bekommt man? ´nen Arschtritt!“, schrieb eine enttäuschte Nutzerin. So macht man sich keine Freunde, Frau Denalane.

Die 20 Musiker, die sich an die getroffenen Abmachungen gehalten haben, bekommen derlei Unmut vom knapp 4500-köpfigen Publikum glücklicherweise nicht zu spüren. Und auch die tiefen Regenpfützen in den Sitzschalen werden überwiegend mit Humor genommen. Neben Herre stehen vor allem die Rapper Afrob, Megaloh und Fetsum ganz weit vorne im Rampenlicht, außerdem die Sängerin Grace, die auch die eigentlich für Denalane gedachten Gesangsparts übernimmt.

Mit großer musikalischer Wucht präsentieren Rapper und Bläser, Sänger und Dirigent das Beste vom im letzten Jahr eingespielten MTV-Unplugged-Album, das wiederum ein Querschnitt aus dem Schaffen Max Herres ist, live eingespielt mit klassischen Instrumenten und unter Verzicht auf Elektronik.

„A-N-N-A“ gerät so im Kurpark noch intimer als beim Ersterscheinen 1997, mit „Berlin — Tel-Aviv“ wird Sozialkritik in Balladenform gegossen und mit „Rap ist“ unter Beweis gestellt, dass Hip-Hop-Beats auch „unplugged“ gehörig knallen können. Herre und seine Mannschaft bieten Musik für Verliebte und Musik für Kinder der Neunziger, Musik für Hip-Hopper und Musik für Freunde klassischer Klänge.

Zwischen den Stücken herzen die Musiker sich, klatschen sich ab, knuffen sich freundschaftlich — denn um Freundschaft geht es ja immer, zwischen allen Beteiligten und zu jeder Sekunde — siehe oben. Am Ende eines langen Abends hat sich Herres Freundeskreis wieder mal vergrößert: Um 4500 klatschnasse Kurpark-Classix-Besucher.