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Köln: Maschinenhalle wird zur Bühne für Verzweiflung

Köln : Maschinenhalle wird zur Bühne für Verzweiflung

So ungewöhnlich wie die Spielstätte, eine ausgediente Fabrik, so ungewöhnlich ist auch die Inszenierung von Tsippi Fleischers Kurzoper „Medea”, die in Köln zum ersten Mal in Deutschland aufgeführt wurde.

Kombiniert mit Georg Friedrich Händels Solokantate „La Lucrezia” fand das kleine Werk bei der Premiere ein beeindrucktes Publikum.

Regisseur Uwe Hergenröder und sein Bühnen- und Kostümbildner Ulrich Schulz nutzten die ehemalige Maschinenhalle zu vielfältigen Spielmöglichkeiten. Den Zuschauern, auf einer kleinen Tribüne im Halbrund sitzend oder stehend versammelt, standen die Mitwirkenden auf den verschiedensten Ebenen gegenüber.

Lucrezia warf ihre bewegte Klage über ihre Vergewaltigung durch den Königssohn Sextus von einem Podium unter der Dachkonstruktion herab, Medea schickte ihre Verzweiflung über die Treulosigkeit Jasons und den drohenden Tod der gemeinsamen Kinder aus isolierter Tiefe herauf.

Zwei antike Frauentragödien also, deren Partien in hochdramatischer Weise von der israelischen Mezzosopranistin Dalia Schaechter verkörpert wurden.

Sie drückte ihre von der Händelschen Musik zwar in strenge Schranken gewiesenen Rachegedanken mit Stimme und Körper dennoch leidenschaftlich aus. Bei ihrer Landsmännin Tsippi Fleischer konnte sie ihren Gefühlen endlich völlig freien Lauf lassen.

Eingehüllt in einen grauen Mantel und eingesperrt von grauen Mauern kommt sie immer wieder auf die Vergangenheit mit Jason zurück. Dazwischen denunzieren sie drei Bürger Korinths als Ausländerin. Die Männer, die wiederholt aus einem Graben Auge in Auge mit den Zuschauern auftauchen, beschimpfen die Fremde auf Griechisch, das auf Monitoren ins Deutsche übersetzt wird.

Als das gleichzeitig vom Tombandgerät übertragene Kinderlachen erstirbt, wird für Medea der Mord an den Kleinen zur Gewissheit. Offen bleibt, wer dafür verantwortlich war. Tsippi Fleischer belässt lange Passagen der Oper als gesprochenen Text (Libretto von Rivka Kashtan) und nutzt die Musik in erster Linie zur Illustration.

Aus dem kleinen, ebenfalls hoch oben postierten Orchester unter Jens Bingert unterstreichen einzelne Instrumente jeweils parallel die Singstimme.

Dabei kommt dem mit Linda Mantcheva vorzüglich besetzten Cello ein besonderer Anteil zu, weil die Spielerin auch in einen Dialog einbezogen wird.

„Medea”, Kurzoper von Tsippi Fleischer und „La Lucrezia” von Georg Friedrich Händel, Halle kalk, Köln, 19.30 Uhr, Aufführungen auch am 17., 18., 19., 20. April.

Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung, Info 0241/5101192 und 0241/5101175.

Infos im Internet unter http://www.buehnenkoeln.de