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München: Markant und kritisch

München : Markant und kritisch

Hans Magnus Enzensberger, der ehemals „zornige junge Mann der deutschen Literatur” (Alfred Andersch), wird am Donnerstag 75 Jahre alt.

Der hoch gelobte und mit zahlreichen Auszeichnungen gepriesene Lyriker, Essayist, Dramatiker und Romancier gilt als einer der hervorragenden intellektuellen Vertreter des literarischen Lebens in Deutschland nach 1945.

Als Gründer des „Kursbuchs” schuf er 1965 ein einzigartiges kritisches Diskussionsforum für das damalige literarische Leben in der Bundesrepublik, das die Literaturtheorie ebenso wie die Praxis nachhaltig beeinflusst hat.

Enzensbergers zornig-ironische Gedichte der 60er Jahre aus dem Band „Die Verteidigung der Wölfe” (1957) sind frühe Beispiele für seine politische Lyrik und engagierte Literatur. Sein inzwischen umfassendes Oeuvre ist mit dem Büchner-Preis (1963), dem Heinrich Böll-Preis (1985), dem Heinrich-Heine-Preis (1998) und dem Ludwig- Börne-Preis (2002) gewürdigt worden. Zusätzlich ist Enzensberger Träger des Pasolini-Preises der Stadt Rom.

Der am 11. November 1929 in Kaufbeuren im Allgäu geborene Enzensberger hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Er studierte an verschiedenen Universitäten, darunter an der Sorbonne in Paris, und promovierte 1955 mit einer Arbeit über die Poetik von Clemens Brentano. Er war Rundfunkautor, Verlagslektor und Gastdozent, bevor er sich als Herausgeber und freier Autor 1979 in München niederließ, wo er bis heute wohnt.

Mit markanten Worten hat der vielbeachtete Essayist Enzensberger die öffentliche Diskussion in Deutschland mitgeprägt. Ob er vom „Null-Medium” Fernsehen sprach, Gefahren bürgerkriegsähnlicher Zustände in Deutschland durch soziale Spannungen befürchtete oder die Ausplünderung der Dritten Welt anprangerte. Stets löste der präzise formulierende Links-Intellektuelle kontroverse Debatten aus.

Es gibt kaum ein literarisches Genre, in dem sich Hans Magnus Enzensberger nicht erfolgreich versucht hätte. Kurz vor seinem 75. Geburtstag erschien sein Textband „Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten” über das Grenzgebiet zwischen Drama und Traktat.

Als Dramatiker ist Enzensberger mit seinem Langgedicht „Der Untergang der Titanic” in der Inszenierung von George Tabori (1980) und seinem Bühnentext „Das Verhör von Habana” (1970) unvergessen.

Sein erster Roman „Der kurze Sommer der Anarchie” von 1972 ist eine Collage von Briefen, Reisebeschreibungen, Flugblättern, Polemiken und Propagandabroschüren.