Würselen: Maria Serrano: Premiere von „Memorias“ auf Burg Wilhelmstein

Würselen: Maria Serrano: Premiere von „Memorias“ auf Burg Wilhelmstein

Ein Tanz, in dem Liebe und Hass zu einer glühenden Masse verschmelzen: Flamenco. Das tut so richtig weh und weckt Lust auf mehr. Die spanische Tänzerin und Choreographin Maria Serrano nimmt beim Festival von Burg Wilhelmstein ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit — genauer gesagt durch die Phasen, die sie mit ihrer Compagnie durchlaufen hat.

„Memorias“ ist eine funkelnde Visitenkarte, der Extrakt einer großen künstlerischen Entwicklung. Nach einer Voraufführung in Sevilla nun die Premiere der Neuproduktion in Würselen. Flamenco ist bei Maria Serrano der Zusammenklang aller Kunstformen und Temperamente. So gibt es für die Musiker Joan Jose Bando (Gitarre), Selu Sarmiento (Percussion), Pablo Prada (Bass) und Christian De Moret (Piano/Gesang) zusammen mit der charismatischen Sängerin Carmen Fernandez regelmäßig eigene Abschnitte im Programm, in denen sie sich dem Flamenco stellen, seiner musikalischen Prägung und dem schmerzlichen Gesang, der ans Herz greift wie ein großes Weinen.

Die Tanzenden bannen Blicke und Gefühle: Maria ist die unantastbare Herrscherin über die freie Interpretation dieser uralten Leidenschaft. Im Flamenco pulsieren die Kulturen der Welt, das hat sie verinnerlicht. Das Stakkato der Absätze, die „Zapateados“, die Spannung des Körpers, die Geheimsprache der Hand- und Armbewegungen verbinden sich mit einem Stolz, der die Leidenschaft adelt. Zusammen mit Tochter Alba Serrano und den Tänzern Paco Hidalgo und Javier Sanchez bieten die vier auf der Bühne ein tänzerisches Feuerwerk. Die Männer wirken stählern in ihren Macho-Posen, stets elegant und explosiv. Paco Hidalgo, der an den Choreographien entscheidenden Anteil hat, ist für Maria der adäquate Partner. Sie liefern einander atemberaubende Tanzgefechte und vor der Pause einen heißen Liebeskampf, von dem beide zu Boden geworfen werden.

Wer andere Produktionen Maria Serranos kennt, hört Elemente aus früheren Stücken und sieht, wie gut sie die Geschichten von Liebe und Leid, vom Begehren bis zur Raserei noch immer erzählen kann. Es gibt ein originelles, leicht ironisches Männerspecial, solche Brechungen machen diese Inszenierung spannend und frisch. Der Höhepunkt: Maria Serranos Solo, angefeuert von Tochter und Mittänzern, die wie auf Klappstühlen am Bühnenrand sitzen. Der Schlusspunkt einer Produktion, die moderne Strukturen zeigt und Leistung auf höchstem Niveau bietet. Die Kostüme sind zunächst schwarz und bunt-fransig. Dann werden die Damen traditionell gekleidet, raffen die Röcke und zeigen den verführerischen Hüftschwung als Erbe des Orients. Mit Zugaben ist das Ensemble großzügig. Und Sängerin Carmen Fernandez beweist, dass sie den Flamenco nicht nur singen, sondern gleichfalls meisterhaft tanzen kann.