1. Kultur

Würselen: Manu Katché im Dauerfeuer der Rhythmen

Würselen : Manu Katché im Dauerfeuer der Rhythmen

Ja ja, das Wetter. Dreist wie es ist, wollte es sich an diesem Abend auf Burg Wilhelmstein wieder mal als Hauptakteur in den Vordergrund spielen. Dabei gehörte diese Rolle eigentlich Manu Katché und seiner Band.

Der Regen sorgte für eine beachtliche textile Farbenfreude auf den Zuschauerrängen. Kontrastartig wirkte dagegen das Outfit von Manu Katché (50): schwarzes Shirt, schwarze Hose, schwarze Mütze. Fast unbemerkt hatte er sich hinter sein Schlagzeug geschlichen, kein Wort zur Begrüßung.

Der Sohn französisch-afrikanischer Eltern, der seit 20 Jahren zu den renommiertesten und erfolgreichsten Drummern weltweit gehört, teilte sich die Mitte der Bühne mit seinen Kollegen an Piano, Kontrabass, Trompete und Saxophon. Die Musiker legten sofort los mit Jazz-Melodien, die besser zu einem lau-schwülen Sommerabend nicht passen könnten.

Die Klänge plätscherten unaufgeregt dahin, was ja auch durchaus zu den äußeren Umständen passte. Die Musik kam stellenweise fast zum Erliegen - allerdings nur, um im nächsten Moment mit einem rasanten Ritt durch die Riffs wieder durchzustarten.

Nicht viele Drummer fordern ihre Mitspieler dermaßen heraus wie Katché. Kaum einen Takt spielt er gerade durch, versteckt den Beat jedes Songs unter einem Wirbel von verschiedenen Rhythmen. Solches Dauerfeuer lässt den Solisten nur die Chance zu permanenten Höchstleistungen - keine Frage, die „amazing (wunderbaren) musicians” seines Quintetts, die Katché in seiner einzigen Ansage vorstellte, boten sie auch den 750 Zuhörern.

Was allerdings auf CD als subtile Inspiration wirkt, litt live wenigstens in der ersten Hälfte des sehr pünktlich begonnenen und beendeten Konzerts an einem überlaut ausgesteuerten und dadurch zu knallig tönenden Schlagzeug. Katché war zunächst wohl auch ziemlich genervt vom Dauergeprassel des Regens. So wirkte sein Solo nach 40 Minuten eher einem kreativen Wutanfall, der aber einen weit harmonischen zweiten Teil des Konzerts einleite.

Nach einem fulminanten Finale verabschiedete sich die Band. Doch der Beifallssturm endet erst, als die Musiker wieder auf der Bühne stehen. „Actually, it rains”, sagte Katché und grinste. Er wusste, dass es nicht das Wetter war, das in diesem Moment im Mittelpunkt stand.