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Aachen: Märchenhafte Bilder: Traum-Labyrinth zwischen Liebe und Tod

Aachen : Märchenhafte Bilder: Traum-Labyrinth zwischen Liebe und Tod

Eine nächtliche Elfen-Szenerie mit Grillenzirpen, Käuzchenrufen und dem Rauschen des Windes überrascht die Zuschauer im Theater K. Was fast wie Shakespeares „Sommernachtstraum” anmutet, entpuppt sich als ein „Erotisches Halleluja in vier Bildern”, so der Untertitel von Lorcas poetischem Kammerspiel „In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa”, das 1933 in Madrid uraufgeführt wurde.

1936 wurde der Dichter von Francos Falangisten im Alter von nur 38 Jahren ermordet. Die schwebende, fast surreale Leichtigkeit des Stücks hat Annette Schmidt in betörend schöne Bilder umgesetzt.

Flirrend zwischen Tag und Traum vollziehen sich unglaubliche Geschehnisse, die den alternden Don Perlimplin und seine schöne Belisa in Verwirrung stürzen. Nicht nur sie - auch das Publikum schwankt zwischen Faszination und Staunen. Das liegt weniger an Schmidts einfühlsamer Regie als an dem Stück selbst.

Denn anders als in der leidenschaftlichen „Bluthochzeit” oder der Todesstarre von „Bernarda Albas Haus”, die Federico Garcia Lorca berühmt machten, geht es hier um ein fantastisches Märchen, das den gehörnten Ehemann und seine Nebenbuhler zu einem einzigen, mythisch überhöhten Liebenden werden lässt.

Ausgezeichnet die Besetzung des ungleichen Paares: Der großartige Martin Päthel überzeugt als älterer wohlhabender Don und Janine Balduin bezaubert als Belisa mit Talent und Ausstrahlung. Mitreißend feurig Anush Manukian als Dons Haushälterin Marcolfa, die ihren Herrn mit der blutjungen Belisa verkuppelt. Zwischen Elfentrio und Nornen-Bosheit legen Lucille Lehr, Katja Meiners und Elke Müller ihr unbefangenes Spiel an (Gelungene Kostüme: Ana Balzer und Anush Manukian).

Schön verquer Jochen Deuticke als zickige Mutter Belisas, die der Tochter zur „reichen Heirat” auf diese Weise rät: „Geld macht schön.” Das schräg stehende Hochzeitsbett, fünf fremde Hüte, eine Schale mit Früchten, von denen Marcolfa nascht, das von ihrem wundervollen Haar verhüllte Gesicht der Braut - alles wird zu Zeichen, Symbolen und Hinweisen in diesem Traum-Labyrinth, das nur einen Ausweg kennt: Liebeserfüllung im Tode.

Da Don Perlimplin die junge Belisa nicht wirklich glücklich machen kann, taucht wie durch Zauberhand der Rivale auf.

Sprachlich von großer Schönheit und wirklich kongenial untermalt von Uwe Böttchers Geigenspiel, erschließt sich das bildersatte Stück, dem Publikum nicht gänzlich.