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Aachen: Madonna im Playmobil-Format

Aachen : Madonna im Playmobil-Format

Im 15. Jahrhundert war Aachen eine Hochburg für religiöse Kleinkeramik: Das beweist eine kleine, aber feine Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum, unter anderem mit jüngsten Funden aus der aufgebaggerten Aachener Unterwelt an der Prinzenhof- und Aureliusstraße.

Madonnen im Playmobil-Format waren zu der Zeit offenbar begehrte Souvenirs für mittelalterliche Touristen, die Aachen übers Marschiertor wieder verließen.

Der Archäologe und Kunsthistoriker Gerald Volker Grimm von der Uni Bonn hat für das Museum einen umfangreichen Bestandskatalog über diese „Ungeliebten Kinder der Kunstgeschichte”, wie der Untertitel lautet, erstellt. Wissenschaftlich erarbeitet finden sich in dem Band „Kleine Meisterwerke des Bilddrucks” (26 Euro) vor allem auch Reliefs aus feinstem Ton und Pappmaché aus dem Bestand des Museums.

Das Material, aus dem heute die Figuren für die Motivwagen im Karneval gefertigt werden, war noch vor der Erfindung des Buchdrucks und der Verbreitung des Kupferstichs das vorherrschende druckbare Medium, um Bildideen zu realisieren: vornehmlich biblische Szenen, plastisch in frühem 3D-Format gestaltet.

Außerdem werden acht Gemälde gezeigt, die im Rahmen des Restaurierungsprogramms Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen, Bezirksregierung Köln, fachmännisch wieder in Schuss gebracht wurden. Das Land NRW finanzierte die aufwendigen Arbeiten mit 150.000 Euro, wie Restaurator Michael Rief am Dienstag mitteilte. Dazu gehören zwei unersetzliche Tafelgemälde des Nürnberger Malers Wolf Traut (um 1490-1520).

Eröffnet wird diese kleine Schau für Kenner und Liebhaber am Mittwoch um 19 Uhr im Kaminraum des Museums (bis 16. Oktober).