1. Kultur

Aachen: Machtspielchen im Wohnzimmer: „Caretaker“ im Theater K

Aachen : Machtspielchen im Wohnzimmer: „Caretaker“ im Theater K

So sieht es also in der Welt eines Möchtegern-Hausmeisters aus: Von der Decke tropft Wasser in einen Blecheimer, durch die Fensterspalten zieht es, und von den Wänden blättert die Tapete. Mit „Caretaker“, dem Drama von Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter, entführt das Aachener Theater K den Zuschauer in ein schäbiges Wohnzimmer.

Darin wird er Zeuge von menschlichen Abgründen, intriganten Machtspielchen und spontanen Gefühlsausbrüchen.

Die sensible Aston (Anna Scholten) will eigentlich das Haus ihrer Schwester Mick (Laura Thomas) renovieren, macht aber keine deutlichen Fortschritte. Stattdessen rettet sie den Obdachlosen Davies (Jochen Deuticke) vor einer Prügelei und nimmt ihn bei sich auf. Aus Mitgefühl etwa? Oder damit er sie bei ihren Arbeiten unterstützt?

Ganz klar sind ihre Beweggründe nicht, zumal sie den Streuner bald schon als Störfaktor ansieht. Ebenso widersprüchlich verhält sich Mick, die Davies erst rausekeln und kurze Zeit später als Hausmeister einstellen will. Der wiederum spielt ein doppeltes Spiel. Zunächst lässt er sich von Aston bemuttern — bis er erkennt, wer die wahre Hausherrin ist. Dann schlägt er sich auf Micks Seite und lässt kein gutes Haar an Aston, um so vielleicht einen festen Platz im Haus zu ergattern. Allerdings halten die Schwestern unerwartet zusammen.

Annette Schmidt hat die rein männliche Dreierkonstellation von Pinter für ihre Inszenierung aufgelöst. Die Rollen Mick und Aston sind — entgegen dem Original aus 1960 — weiblich besetzt und geben dem Kampf um Macht und Besitzansprüche weiteren Zündstoff.

Dabei zwängt Schmidt der Geschichte keine Deutung auf, sondern belässt ihr die interpretatorische Freiheit, auf die Pinter als Fan des absurden Theaters à la Samuel Beckett immer großen Wert gelegt hat. Spannung entsteht hierbei durch das Unausgesprochene. Die Figuren und ihre Motive bleiben bis zum Ende rätselhaft.

Wie ein Wirbelwind

Anna Scholten überzeugt als Unnahbare mit tragischer Vergangenheit, Jochen Deuticke als intriganter Streuner ohne eindeutige Identität und Laura Thomas als schrille Hausbesitzerin, die nebenbei als Selbstständige „im eigenen Truck“ arbeitet.

Mit Thomas‘ erstem Auftritt gewinnt das Stück nicht nur an Komik, sondern nimmt erst richtig Fahrt auf: Wie ein Wirbelwind fegt die Schauspielstudentin als Mick durch das Wohnzimmer, bindet den Eindringling Davies mit Klebeband quer am Sofa fest und plappert ohne Unterbrechung. Verblüffend sind ihre Facetten: Mal ist sie laut und gehässig, mal mädchenhaft und liebenswürdig, mal völlig sprachlos.

In den wortlosen Szenen setzt die eigens für das Stück komponierte Musik von Sasan Azodi ein. Die elektronischen Klänge begleiten den Zuschauer in seine eigene Interpretation der Geschichte und wieder hinaus aus dem großen Gefühlstheater im heruntergekommenen Wohnzimmer. Vorab gibt es aber noch großen Applaus für das Team des Theater K.