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Aachen/Maastricht: Maastricht und Aachen prüfen Affaire Debye

Aachen/Maastricht : Maastricht und Aachen prüfen Affaire Debye

Nach der Universität lässt nun auch die Stadt Maastricht offiziell die Haltung des niederländischen Nobelpreisträgers und gebürtigen Maastrichters Peter Debye (1884 bis 1966) im „3. Reich” prüfen.

Die Stadt will wissen, welche Rolle ihr Ehrenbürger bis Ende der 30er Jahre als Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts und als Vorsitzender der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gespielt hat. Die RWTH Aachen trägt derzeit noch die neueren Informationen über ihren Ehrendoktor (1959) zusammen und will sie „kurzfristig öffentlich machen”.

Die Stadt Aachen, die 1975 eine Straße nach dem weltberühmten Physiker benannt hatte, teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass sie „die neuen Erkenntnisse natürlich interessieren” und man nach einer Überprüfung „unter Umständen auch Konsequenzen ziehen” werde. Die Verwaltung von Baesweiler, auch dort gibt es eine Debye-Straße im Gewerbegebiet, wird ebenfalls „dem nachgehen und entsprechend reagieren”.

Derweil hat der Autor des Buches, das die Nachforschungen über Debye ausgelöst hat, bestätigt, wie eng Debye ab 1935 und bis über 1940 hinaus mit den Nazis kooperierte. Kurz nach Erscheinen von „Einstein in Nederland” des Historikers Dr. Sybe Izaak Rispens Mitte Januar hatte die Uni Maastricht ihren nach Debye benannten Preis gestrichen.

In der Einstein-Biographie geht es nur auf ein paar Seiten um Debye, der mit seinem noch berühmteren Kollegen über viele Jahre zu tun hatte. Rispens erläutert nun unserer Zeitung gegenüber, dass Debye zwar „kein überzeugter Nationalsozialist” war. Er habe aber die Situation von 1934 bis 1940 als „Opportunist für seine eigenen Zwecke genutzt”. Vor allem habe Debye „1938 den Auftrag gegeben, in einer Sonderaktion die Juden aus der Deutschen Physikalischen Gesellschaft zu entfernen”.