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Maastricht: Maastricht: Autobahn für Stunden dicht

Maastricht : Maastricht: Autobahn für Stunden dicht

Der Verkehr kam völlig zum Erliegen: Ab 5.30 Uhr blockierten am Mittwoch etwa 100 Bewohner des Wohnwagenlagers Vinkenslag bei Maastricht gestern die Autobahn A2 unweit des MVV-Fußballstadions.

Die Bewohner protestierten damit gegen die wöchentlichen Behörden-Besuche, die sie als übertriebene Kontrolle empfinden. Fünf Stunden dauerte die Blockade der Fahrbahn mit Autoreifen, Müll und Dieselöl. Danach brauchte die Bereitschaftspolizei bis Mittag, um die Autobahn wieder befahrbar zu machen und den Unrat in Containern abzufahren. Bis zu acht Kilometer Stau waren entstanden, der Verkehr aus südlicher und östlicher Richtung wurde weiträumig umgeleitet.

Eskalation im Mai 2003

Die Probleme zwischen den Bewohnern des Wohnwagenlagers und den Behörden eskalierten im Mai 2003, als die Polizei zu einer Kontrollaktion in Vinkenslag anrückte. Dabei wurden mehrere illegale Hanfplantagen entdeckt und entfernt. Als Reaktion besetzten die Bewohner das MVV-Stadion. Inzwischen saniert die Stadt Maastricht das Lager. Auf dem dicht besiedelten Platz verdienen viele Bewohner ihr Geld mit Autoverwertung und Autoverkauf. Die ordnungsgemäße Entsorgung des Altöls ist nach Ansicht der Stadt nicht gegeben, der Brandschutz unzureichend. Bis 2007 sollen 40 der jetzt dort 120 lebenden Familien auf andere Plätze Maastrichts umsiedeln.

All dies geschehe „in guter Zusammenarbeit und nach den mit den Bewohnern getroffenen Absprachen”, sagte am Mittwoch der städtische Pressesprecher Hugo Maassen auf Nachfrage. „Wir kommen nicht mit Überraschungen oder neuen Regeln.” Die wöchentlichen Besuche dienten nicht der Kontrolle, sondern dem Gespräch mit den Bewohnern, um Probleme und Wünsche zu erörtern. Für die Aktion vom Mittwoch gebe es aus Sicht der Stadt keinen direkten Anlass.

Behandlung wie die legalen Einwohner

Die Vinkenslager sehen das allerdings ganz anders. Sie wollen genau wie alle anderen legalen Einwohner Maastrichts behandelt werden, statt wöchentlich kontrolliert zu werden. Inzwischen drohen sie mit weiteren Aktionen. Dazu stellten sie sich im Moment schon mit anderen niederländischen Lagern in Verbindung, so die Bewohner am Mittwoch.

Die südlimburgische Industrie- und Handelskammer gab bekannt, die Blockade habe fünf bis sechs Millionen Euro gekostet. Tausende Arbeitnehmer haben ihren Arbeitsplatz nicht rechtzeitig erreichen können. Die vereinten limburgischen Arbeitgeber sind der Meinung, die verantwortlichen Bewohner sollten den entstandenen Schaden ersetzen.

Die provinziellen Behörden liessen wissen, sie seien darüber empört, dass die Gemeinde und die Polizei am Mittwoch so lange brauchten, um die Lage in den Griff zu kriegen. „Baldmöglichst soll es einen Plan geben, wie die Behörden einzugreifen haben, falls die Bewohner wieder randalieren. Ein solche Katastrophe darf es kein zweites Mal geben”, so Abgeordnete Ingrid Muijs von der liberalen VVD.