1. Kultur

Aachen: Ludwig Forum präsentiert zwei Zyklen der Kölnerin Siglinde Kallnbach

Aachen : Ludwig Forum präsentiert zwei Zyklen der Kölnerin Siglinde Kallnbach

„Zeige deine Wunde” nannte Joseph Beuys in den Siebzigern eine Installation aus Leichenbahren, Lampen, Fettkisten, Werkzeugen, Einweckgläsern - als Mahnruf an die Sterblichkeit ebenso gedacht wie an die Möglichkeit von Heilung: Man muss die Krankheit offenbaren, um sie behandeln zu können.

Weitaus härter, ästhetisch völlig unverblümt und noch existenzieller geht die Kölner Künstlerin Siglinde Kallnbach (52) das gleiche Thema in ihrem Zyklus „Cut” an - „zeigt” sie doch ihren eigenen schwerbeschädigten Körper in einer bis zur Unerträglichkeit verkürzten Direktheit.

Selbst die amputierte Brust ließ die im Jahr 2000 an Krebs erkrankte Künstlerin fotografieren - und ist in ihrer Ausstellung im Kellergeschoss des Aachener Ludwig Forums jetzt ebenso zu besichtigen wie Foto-Selbstporträts ihres Körpers nach einer ihrer vielen Operationen sowie eigene Klinikansichten auf dem Weg dahin.

Ein derart persönliches Memento mori (Gedenke zu sterben) sprengt die Grenzen der Kunst. Die Motivation Siglinde Kallnbachs, ihr Schicksal derart krass und schonungslos öffentlich zu machen, wird indessen dadurch verständlich, dass sie auch noch das Sterben ihres eigenen krebskranken Vaters begleitet und zeichnerisch verarbeitet hat.

Eine Art von übersinnlicher Kraft schöpft sie seither aus 30.000 guten Wünschen in Gestalt von Signaturen von Menschen aus aller Welt, die sie beständig weiter sammelt und zu grafischen Spiralen der Hoffnung formt. Mögen sie trefflich wirken!

Die Ausstellung ist so bedrückend wie ergreifend - zumal die gebürtige Hessin, „von Hause aus” Performancekünstlerin, bereits vorher ihren Körper als Instrument der Kunst eingesetzt hat.

Ein zweiter, weitaus unbelasteter Zyklus entstand 2002 während eines Stipendiats in Japan, als ihr die frappierende Ähnlichkeit des traditionellen Nebuta-Festes mit dem heimischen Karneval auffiel: Die riesigen geistervertreibenden japanischen Monster, beim Straßenumzug von jungen Burschen auf Wagen gezogen, erinnern stärkstens an die gewaltigen Pappmaché-Kollegen beim Kölner Karneval. Die überraschenden interkulturellen Parallelen hat die Künstlerin in ästhetisch erhabenen Fotografien eingefangen und gegenübergestellt.