Aachen: Ludwig Forum präsentiert künstlerische Computerspiele

Aachen: Ludwig Forum präsentiert künstlerische Computerspiele

Zwischen „Pac Man“ und „Portal Knights“ — einem von 14 preisgekrönten Computerspielen in diesem Jahr — liegen Welten. Die Entwicklung verläuft rasant — der Produktionsaufwand steht dem von Hollywood-Blockbustern längst in nichts mehr nach.

Aber nicht nur viele Eltern wünschen sich offenbar angesichts von Ego-Shootern wie „Counter Strike“ & Co. Alternativen, die ohne Aggression, Gewalt und Konflikte auskommen: In der Kunstwelt hat sich seit den 90er Jahren eher unbemerkt eine besondere Nische entwickelt. Künstlerinnen und Künstler haben für sich den Reiz und die Möglichkeiten des Mediums erkannt und Gegenentwürfe zu konventionellen Computerspielen entwickelt. Und die machen auch noch Spaß! Das beweist die Ausstellung „Digital Games — Kunst und Computerspiele“, die am Mittwoch um 19 Uhr im Aachener Ludwig Forum eröffnet wird.

Mitspielen wird hier großgeschrieben — und mit Recht setzt Forumsdirektor Andreas Beitin auf großen Zuspruch eines jungen Publikums. Elf Games von internationalen Künstlern hat Professor Stephan Schwingeler — Beitin und er haben am Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) zusammengearbeitet — für die Schau ausgewählt. Beamer ermöglichen große Projektionen auf der Wand. Die Ausstellung steht in Verbindung mit dem „Festival For Games — Next Level 2017“, das vom 9. bis 12. November im NRW-Forum Düsseldorf stattfindet.

Geheimnisvoll und rätselhaft — so erscheint eine traumhafte Inselwelt, die Bill Viola mit computergrafischen Bildern in Szene setzt, die es in „The Night Journey“ zu erkunden gilt. Eine Reise vom kleinsten Molekül bis zu ganzen Galaxien ermöglicht der Ire David OReilly in „Everything“. Der Spieler kann dabei fast unbegrenzt Existenzen annehmen — von der Amöbe bis zur Sonne — und vom Mikro- bis zum Makrokosmos die Welten in kleinsten und größten Dimensionen erleben. Gesteuert über einen Gamecontroller.

Ganz anders bei dem Spiel von Mario von Rickenbach: Hier müssen fünf Mitspieler gleichzeitig eine Rakete steuern — jeweils über ein Pedal, mit dem eines von fünf Triebwerken gezündet wird. Ein Computerspiel mit sozialer Komponente — geht doch! Gelegentlich passiert so gut wie nichts — etwa in OReillys „Mountain“ — man nähert sich einfach einem Berg.

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Live-Computerspiel, das zwischen dem Ludwig Forum und dem Düsseldorfer Games-Festival ausgetragen wird: Am Mittwochabend steuern Spieler in Aachen über Skype Schauspieler in Düsseldorf (19.30 bis 22 Uhr), ebenfalls am 10. November (12.30 bis 16.30 Uhr); umgekehrt am 11. und 12. November (jeweils 12.30 bis 16.30 Uhr) — dann steuern Düsseldorfer Gamer Schauspieler im Ludwig Forum. Dabei geht es in dem Spiel „Roland klaut das Klo“ für die Spielfiguren darum, Marcel Duchamps Urinal aus einem fiktiven Museum zu klauen . . .

(Eröffnung: Mittwoch um 19 Uhr. Dauer: bis 15. April 2018. Geöffnet: Di., Mi., Fr., Sa. 10-17 Uhr, Do. 10-20 Uhr. Eintritt: während der Sonderausstellung „Kunst x Kuba“ 10, ermäßigt 6 Euro; Do. frei.)