1. Kultur

Aachen: Ludwig Forum: 130. Geburtstag von Mies van der Rohe

Aachen : Ludwig Forum: 130. Geburtstag von Mies van der Rohe

Seine Bauten sind visionärer Ausdruck einer funktionalen, in Glas, Beton und Stahl geformten Sachlichkeit: Ludwig Mies van der Rohe, einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. In Aachen geboren und bis zum 19. Lebensjahr aufgewachsen, avancierte der Maurerlehrling und Steinmetz in Berlin und in den USA als Baumeister zu einem Klassiker der Moderne.

Am morgigen Ostersonntag jährt sich sein Geburtstag zum 130. Mal. Das Ludwig Forum widmet ihm aus diesem Anlass im Oktober eine Ausstellung, die den allseits bekannten Architekten als den bislang eher unbekannten bildenden Künstler vorstellt. Initiiert wurde das Projekt noch von der Forums-Direktorin Brigitte Franzen, die mittlerweile zur Peter und Irene Ludwig Stiftung gewechselt ist. Ihr Nachfolger Andreas Beitin führt es nun mit großer Begeisterung zu Ende.

Holzfurnier ins Bild montiert

Den Kern der Schau liefert das Museum of Modern Art (MoMa) in New York mit der Leihgabe von rund 40 Collagen und Zeichnungen, die Mies van der Rohe bis 1965 geschaffen hat. Maßgeblich beeinflusst wurde er bei der Verwendung dieser bildnerischen Technik durch Künstler, denen er während seiner Zeit in Berlin begegnet war, etwa Hanna Höch, den Dadaisten und anderen Mitgliedern der „Novembergruppe“.

Diese Künstlervereinigung hatte sich im Nachklang zur Novemberrevolution 1918 nach dem Sturz der Monarchie gebildet und bestand zu Anfang vornehmlich aus bedeutenden Dada-Künstlern und prominenten Bauhaus-Mitgliedern. Mies van der Rohe schloss sich ihnen 1921 an.

„Er definierte seine Collagen als eigenständige Kunstwerke, bei denen er die damals äußerst innovative Form der Bildgenerierung für seine eigenen Zwecke angewendet hat“, erklärt Andreas Beitin. Zwar entstanden sie stets parallel zu Architekturprojekten, doch in den überwiegend großformatigen Arbeiten, etwa 80 mal 120 bis 140 Zentimeter, ging es darum, „Entwürfe zu visualisieren, Raumdimensionen und -proportionen sichtbar zu machen“, sagt Co-Kuratorin Lena Büchel.

In seine Collagen montierte Mies van der Rohe nicht nur Fotografien und Zeichnungen, sondern auch Originalmaterialien: Holzfurnier zum Beispiel oder Glas — eine frühe und moderne Art, die Wirklichkeit unmittelbar mit einzubeziehen. Kurt Schwitters lässt ebenso grüßen wie John Heartfield und überhaupt die künstlerische Avantgarde.

„Das geht über Studien für Architekturentwürfe weit hinaus“, erklärt Andreas Beitin, „denn es ist auch Mies’ Art der Auseinandersetzung mit der Kunst der Gegenwart“. Umso erstaunlicher findet es der Forums-Direktor, dass es zu dem Werkkomplex der Collagen bislang noch nie eine eigene Ausstellung gegeben hat. Parallel dazu soll eine erste monografische, rund 200 Seiten umfassende Publikation zu dem Thema erscheinen, zahlreiche renommierte Autoren konnten bereits für Beiträge gewonnen werden.

Die fließenden Grenzen zwischen Architektur und Kunst ermöglichen dabei auch, in der Schau einen Bogen zu schlagen von ersten Entwürfen, etwa für das Bismarck-Denkmal am Rhein von 1910, über wichtige Projekte in den USA ab 1938 bis hin zum Spätwerk und dem Entwurf für die Neue Nationalgalerie in Berlin zu Beginn der 60er Jahre. Und so passiert in dieser Kunstausstellung ganz nebenbei auch das architektonische Werk Mies van der Rohes im Zusammenhang mit seinen verschiedenen Lebensstationen Revue.

Originale von anderen Künstlern

Wie hoch Mies die künstlerische Kollegenschaft zeit seines Lebens geschätzt hat, belegt die Tatsache, dass er immer wieder Werke seiner Lieblingskünstler als Reproduktionen in die Collagen als Zitate integriert hat. So tauchen etwa unzweideutig Werke von Paul Klee, Wilhelm Lehmbruck, Georges Braque, Aristide Maillol und in den fünfziger Jahren Mark Rothko in den Arbeiten auf. Das Ludwig Forum besorgt beispielhaft einige der zitierten Originale und gibt damit auch erstmals einen Einblick in den künstlerischen Geschmack dieses Aachener Klassikers.

600 Quadratmeter Fläche wird die Präsentation in vier Räumen umfassen — biografisch, chronologisch und künstlerisch werkbezogen durchkomponiert. Aber nicht nur Mies‘ geschätzte Zeitgenossen aus allen Medienbereichen kommen zum Zuge, sondern auch solche zeitgenössischen Künstler, die sich direkt mit Mies‘ Schaffen auseinandergesetzt haben: zum Beispiel Jeff Wall, Thomas Ruff und Sarah Morris.

Über die Ausstellung hinaus soll im Rahmen von zwei Symposien um die Jahreswende auch die geballte Aachener „Mies-van-der-Rohe-Kompetenz“ genutzt werden, namentlich die RWTH und die FH Aachen sowie der Verein Mies van der Rohe Haus und die Mies Initiative Aachen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, das Werk des großen Aacheners zu bewahren und dauerhaft zu präsentieren. Das erste Symposium im Dezember widmet sich dem Thema Collagen in der Architektur und der Kunst der Moderne, das zweite im Januar der Beziehung zur zeitgenössischen Architektur und Kunst.