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Köln: Liminski: „NRW ist Deutschlands Fehrnsehstandort Nummer eins“

Köln : Liminski: „NRW ist Deutschlands Fehrnsehstandort Nummer eins“

Als die ARD vor wenigen Wochen ihr Doku-Drama „Gladbeck“ ausstrahlte, fesselte die filmische Aufarbeitung des Geiseldramas von 1988 über vier Millionen Fernsehzuschauer. Und die Serien-Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller „Das Parfüm“, die der Digitalkanal des ZDF im Herbst ausstrahlen wird, gilt jetzt schon als eines der wichtigsten TV-Ereignisse des Jahres.

Die Liste der Film- und TV-Highlights, die ohne die Filmförderung des Landes NRW nicht oder nur auf Umwegen zustande gekommen wären, lässt sich beinahe beliebig fortsetzen. Vor fast 20 Jahren hatte der damalige Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) die Idee, NRW mit einer systematischen Förderung zu einem herausragenden Produktionsstandort zu entwickeln. Der Plan, aus dem die heutige Film- und Medienstiftung NRW hervorging, ist aufgegangen.

Aufgezeichnet oder gedreht in NRW: Liveshow des Formats „Deutschland sucht den Superstar“ (o. l.), die Bestsellerverfilmung „Babylon Berlin (u. l.) und das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama rund um eine Geiselnahme namens „Gladbeck“.
Aufgezeichnet oder gedreht in NRW: Liveshow des Formats „Deutschland sucht den Superstar“ (o. l.), die Bestsellerverfilmung „Babylon Berlin (u. l.) und das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama rund um eine Geiselnahme namens „Gladbeck“. Foto: dpa

„Nordrhein-Westfalen ist seit fast zwei Jahrzehnten Deutschlands Fernsehstandort Nummer eins und einer der größten TV-Standorte Europas“, erklärte gestern der für Medien zuständige Staatssekretär Nathanael Liminski (CDU) in Köln. Mit 30 Prozent Marktanteil sei in NRW 2016 mehr produziert worden als in den rivalisierenden Produktionsländern Bayern, Berlin und Hamburg zusammen.

Aufgezeichnet oder gedreht in NRW: Liveshow des Formats „Deutschland sucht den Superstar“ (o. l.), die Bestsellerverfilmung „Babylon Berlin (u. l.) und das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama rund um eine Geiselnahme namens „Gladbeck“.
Aufgezeichnet oder gedreht in NRW: Liveshow des Formats „Deutschland sucht den Superstar“ (o. l.), die Bestsellerverfilmung „Babylon Berlin (u. l.) und das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama rund um eine Geiselnahme namens „Gladbeck“. Foto: dpa

Gemeinsam mit dem Leiter des Dortmunder Medienforschungsinstituts Formatt, Horst Röper, stellte Liminski die Ergebnisse einer neuen Studie vor. Demnach wurden 2016 genau 313 000 Film- und Fernsehminuten von nordrhein-westfälischen Unternehmen produziert — mehr als je zuvor. „Das entspricht einem Anteil von 42 Prozent der gesamten TV-Auftragsproduktion in Deutschland“, erklärte Röper. Die Studie erfasste nur Auftragsproduktionen. Eigenproduktionen von TV-Sendern wurden nicht berücksichtigt. Auftraggeber war das Land NRW.

Die Untersuchung lässt auch eine sich verändernde Nachfrage in der deutschen Fernsehlandschaft erkennen. Der Schwerpunkt habe sich zu dem relativ günstigen Entertainment-Genre verlagert, das mittlerweile auf einen Anteil von 48 Prozent komme, schreibt Röper. Dazu zählen etwa Shows, Doku-Soaps, Game- und Talkshows. Vor allem Doku-Soaps liegen im Trend. „Das Genre ist in der Produktion kostengünstig, zugleich aber inhaltlich oft trivial“, heißt es in der Studie.

Zu den wenigen Wermutstropfen der Studie gehört aus NRW-Sicht deshalb, dass etwa zwei Drittel der landesweiten Produktion auf die wirtschaftlich weniger attraktiven Entertainment-Formate wie etwa die RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ entfallen. Bei der finanziell meist aufwendigeren Produktion von fiktionalen Stoffen bevorzugen die Produzenten zumeist immer noch Bayern oder Berlin.

Speziell bei Kinoproduktionen gibt Berlin den Ton an. Die Hauptstadt und das umliegende Brandenburg haben 36 Prozent, Bayern 20 Prozent und NRW 19 Prozent Marktanteil bei innerdeutschen Kinoproduktionen. „An der Stelle glauben wir, dass in diesem Land noch deutlich mehr Potenzial steckt“, sagte Liminski.

Unternehmen und Mitarbeiter

Angaben zu den Umsätzen der Branche oder zu den Beschäftigtenzahlen konnte Röper auf Nachfrage nicht machen. Liminski half mit Näherungswerten aus. Demnach beschäftigen 25 000 Unternehmen der Medien- und der Filmbranche in NRW 431 000 Mitarbeiter.

Liminski sagte zu Röpers Zahlenwerk: „Das spornt uns an, die Standortbedingungen in unserem Bundesland weiter zu optimieren.“ Die Mittel für die Film- und Medienstiftung stockt das Land im laufenden Jahr um 2,5 Millionen Euro auf — insgesamt stehen der wichtigsten Drehscheibe für die NRW-Film- und Medienförderung damit erstmals wieder knapp über 30 Millionen Euro Jahresbudget zur Verfügung.

Die Aufstockung der Mittel ist ein bemerkenswerter Akzent in der Medienpolitik der schwarz-gelben Landsregierung. Während NRW nach Zahlen der bundesweiten Filmförderungsanstalt FFA in den Jahren vor 2015 die heimische Branche stets stärker gefördert hatte als die Rivalen Bayern und Berlin, kürzte die rot-grüne Vorgängerregierung die Mittel in NRW danach zusammen. Im vergangenen Jahr lag NRW mit einem Fördervolumen von 28,8 Millionen Euro deutlich hinter Bayern (39,5 Millionen Euro) und Berlin (32 Millionen Euro).

Deshalb bekommt Liminski auch Lob aus unvermuteter Richtung. Oliver Keymis, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, sagte gestern an die Adresse der schwarz-gelben Landesregierung: „Die haben sich da bei dem Thema gut aufgestellt. Die Aufstockung der Fördermittel ist ein richtiges Signal.“ Vielleicht ist die Aufstockung auch mehr als nur ein Signal. Laut Filmstiftungs-Chefin Petra Müller löst jeder Euro, der in NRW in die Film- und TV-Förderung fließt, das dreifache an Investitionen im Land aus. Nach ihren Angaben hat die Filmförderung des Landes im vergangenen Jahr etwa 1200 Drehtage in NRW bewirkt.