Aachen: „Lilly unter den Linden” begeistert im Das Da Theater

Aachen: „Lilly unter den Linden” begeistert im Das Da Theater

Passend zum Jahr des Mauerfalls und zum Tag der deutschen Einheit: „Lilly unter den Linden”, das Theaterstück von Anne C. Voorhoeve nach ihrem gleichnamigen Roman, ist ein Stück, das sich besonders für Jugendliche eignet.

Denn im Mittelpunkt steht die 13-jährige Lilly, die in Hamburg aufwächst, weil ihre Mutter Rita in den siebziger Jahren aus der DDR geflohen ist. Der Liebe zum Hamburger Jochen wegen - Lilly ist das Kind dieser Liebe. Man schreibt das Jahr 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall.

Schwarz-rot-gold leuchtet das Bühnenbild (Frank Rommerskirchen). Ein „Drahtkäfig” kann zum offenen Gatter aufgeklappt werden. Das Publikum im Aachener Das Da Theater erlebt hautnah mit, wie elend Lillys Mutter ihrem Krebsleiden erliegt - die sterbende Rita (Franziska Holitschke) entsetzt ihren Lebensgefährten, den Fotografen Pascal (Mike Kühne), der nur wenig für die verzweifelte Tochter tun kann.

Recht kolportagehaft kommt das von Tom Hirtz inszenierte Stück zuweilen daher, was aber von den guten Akteuren buchstäblich „überspielt” wird. Ina Pappert als Lilly lässt die Zerbrechlichkeit wie auch die Kraft des Mädchens zwischen Kind- und Frausein spürbar werden.

Zeitsprünge

In einem inneren Zwiegespräch mit der toten Mutter geht sie deren Lebensspuren nach: Nach dem tödlichen Unfall der Eltern lebt Rita mit der älteren Schwester Lena (Karen Lauenstein) zusammen - in Jena, wo sich um die junge Lehrerin Lena ein „Lesekreis” gebildet hat. Längst noch keine Dissidenten, wollen die jungen Leute aber Westmagazine und eigentlich „verbotene” Bücher lesen.

Und schon zeigen sich Unterschiede: Der überzeugte Kommunist Bernd (Mike Kühne) heuert bei der Stasi an, die junge Rita ist an Ausbildung und Politik völlig desinteressiert, während Lena und Rolf, ihr späterer Mann (Jens Eisenbeiser), viele Themen weltoffen diskutieren. Christine Barth ist als Jugendamtsfrau, Peggy und Pflegerin zu sehen.

Zeitsprünge und Garderobewechsel treiben die Handlung voran, der man allerdings genau folgen muss. Als die 13-jährige Lilly zu Pflegeeltern gegeben werden soll, flüchtet sie - wie einst ihre Mutter - von einer Republik in die andere. Zunächst nach Berlin, wo ihre Mutter sich mit dem Liebsten „Unter den Linden” traf, und dann nach Jena, wo Tante Lena mit ihrer Familie lebt.

Viel Gefühl bis ins Triviale wird hier offenbar, aber auch sehr berührende Momente entstehen, als Lena über ihren Gefängnisaufenthalt (wegen Beihilfe zur Republikflucht damals) spricht. Ihre Tochter Katrin wurde der Familie entzogen, erst nach drei Jahren darf das verstörte Kind zurückkehren.

Die Mauer scheint allgegenwärtig, das geteilte Land hinterlässt zerrissene Bindungen und verletzte Seelen. Doch für Lilly und ihre Angehörigen schimmert so etwas wie Heilung auf. Ein starker Schluss, starker Applaus.

Weitere Vorstellungen von „Lilly unter den Linden” im Aachener Das Da Theater, Liebigstraße 9, bis zum 15. November immer donnerstags, freitags, samstags und sonntags um 20 Uhr. Auf Anfrage gibt es mobile Vorstellungen in Schulen. Infos: 0241/161855.

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