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Aachen: Liebe und Leid mit Schlagern der 30er Jahre

Aachen : Liebe und Leid mit Schlagern der 30er Jahre

Die große Revue „Das gibt´s nur einmal” im Grenzlandtheater Aachen steht kurz vor ihrer Uraufführung. Am 12. Dezember ist es so weit.

Die Proben laufen auf Hochtouren, denn langsam wird es spannend für Regisseur und Autor Ulf Dietrich und sein Team. Am Samstag, 12. Dezember, 20 Uhr, werden die ersten, von Jens-Uwe Fiebig arrangierten Takte einer neuen Revue im Grenzlandtheater erklingen, darf das Publikum ein flottes Opening erwarten, denn es geht um die Hits der 30er und 40er Jahre.

„Das gibts nur einmal”, ein Werk mit Tiefgang und vielen schönen, bekannten Schlagern. Liebe und Herzeleid, Politik und der sich zunehmend einschleichende Wahnsinn der Nazis sind zu einer großen Geschichte verwoben.

Recherche in Archiven

„Wir wollen unterhalten, aber der Zuschauer soll ein wenig nachdenklich aus dem Stück gehen”, sagt Ulf Dietrich. Der Berliner Theatermann, der in Aachen bereits mit Stücken wie „Casablanca” und „Blue Jeans” Furore machte, hat nach intensiven Recherchen - unter anderem in den Rundfunkarchiven - eine Vorlage geschaffen, die all das beinhaltet.

Auch Kostümbildnerin Monika Seidl, die zuletzt im Grenzlandtheater die strippende Herrenriege von „Ladies Night” angezogen hat, widmete sich anlässlich der geplanten Uraufführung historischen Materialien. „Besonders die Modezeitschrift Vogue, die es ja damals schon längst gab, hat mir sehr geholfen”, erzählt sie. „Es war ein Vergnügen, hier zu recherchieren.”

Und was auch Ulf Dietrich erstaunte: „Die Kleider damals waren viel farbintensiver, als wir das heute denken. Aber das kommt von den Schwarzweiß-Kinofilmen, die haben uns unbewusst geprägt.”

Inzwischen sind die Entwürfe umgesetzt, hat man von rund 100 Kostümen ein Drittel neu gefertigt. Die übrigen stammen aus dem Fundus des Grenzlandtheaters und des Theaters des Westens in Berlin oder wurden umgeändert. „Das ist oft mehr Mühe als etwas Neues nähen”, seufzt Monika Seidl.

Inzwischen beobachtet die Kostümbildnerin die Darsteller bereits mit Argusaugen - wo zipfelt ein Rock? Wo ist ein Jackett zu weit? Wo sitzt eine Hose nicht richtig? Wo sollte ein Dekolleté noch ein bisschen tiefer, ein Oberteil ein wenig enger sein?

Die Schachtel mit den Stecknadeln ist immer in Monika Seidls Nähe gediegene Tages- und edle Abendkleider, Anzüge und klassische Fräcke samt Stöckchen und Zylinder - alles ist da, was zu dieser Zeit und zur Welt der Medien gehört.

„Die Darsteller proben erst seit ein paar Tagen in den Kostümen. Es ist schon erstaunlich, wie sich alle sofort anders bewegen”, lächelt Dietrich. Noch im Laufe der Inszenierungsarbeit hat er den Ablauf der Geschichte modifiziert, hat das neue „Kind” aus seiner Feder die Gestalt gewechselt. „Ich hatte drei Möglichkeiten, einen Schluss zu gestalten. Jetzt habe ich mich zu einer vierten entschlossen!”

Verraten wird nur wenig. Die Geschichte der drei Schwestern, die ein wunderbar klingendes Gesangstrio bilden, birgt bereits in der Anlage die Aussicht auf Turbulenzen. Die eine heiratet den Direktor des Rundfunksenders, der ihre Songs sendet, die andere den jüdischen Pianisten, der die Lieder komponiert hat...

„Mein Ziel ist es, das Lebensgefühl jener Zeit herauszuarbeiten”, betont Dietrich. Hierzu war es nötig, mit den „heutigen” jungen Darstellern etwa das Frauenbild von damals zu erkunden. „Die Entscheidung zwischen Familie und Karriere hatte in diesen Jahren einen ganz anderen Stellenwert.”

Entsprechend sensible trifft man zudem bei Make-up und Frisuren die Entscheidungen. „Wir haben uns Frauentypen in den Filmen gesucht, die mondäne Dame zum Beispiel oder die verspielte, muntere, etwas kessere Blondine”, verrät Monika Seidl „So erhielten unsere Gestalten Schritt für Schritt ihre Prägung.”

Karten und Infos unter der Rufnummer 0241/4746111.