Düren: Leopold-Hoesch-Museum: Anja Dorn will eine Kunsthalle für den Bürgerdialog

Düren: Leopold-Hoesch-Museum: Anja Dorn will eine Kunsthalle für den Bürgerdialog

„Blau mit weißen Pendeln“ ist der Name des Gemäldes von Ernst Wilhelm Nay. Professorin Anja Dorn, ab dem 1. August neue Leiterin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums und des Papiermuseums, setzt sich rechts neben das Bild und erzählt die Geschichte, wie sie als Kind im Kölner Wallraf-Richartz-Museum Bilder nachgemalt hat. „Nay mochte ich damals besonders gerne“, sagt die 46-Jährige.

Die gebürtige Kölnerin hat ein Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Köln und Florenz absolviert, war als freie Kuratorin tätig, war eine von zwei Direktorinnen des Kölnischen Kunstvereins und seit 2013 eben Professorin für kuratorische Theorie und dramaturgische Praxis an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Foto: Harald Krömer 10.Dezember 2009 Leopold-Hoesch-Museum Job: Leo 11

In Düren muss Dorn einen Spagat vollbringen: auf der einen Seite die Reputation beider Museen über die Grenzen der Region hinaus stärken, gleichzeitig aber dafür sorgen, dass es auch in der Region und in Düren selbst besser als bisher angenommen wird. Genau das ist auch der Punkt, der Anja Dorn, die unter 48 Bewerbern von einer Expertenjury ausgewählt wurde, an der Aufgabe reizt: „Düren ist ein Ort, wo man sehr stark mit einem städtischen Publikum arbeiten kann.“

Dabei will sie auf Institutionen in der Region zugehen, sie in die Arbeit einbinden, den internationalen Austausch pflegen und vor allem interdisziplinär arbeiten. „Das Museum muss die Funktion einer Kunsthalle übernehmen und mit den Bürgern Themen diskutieren“, gibt Dorn die neue Ausrichtung vor, um den schwierigen Spagat zu bewältigen. Düren ist die Stadt des Papiers, dennoch dürfe beispielsweise das mit viel Aufwand im Umbau befindliche Papiermuseum nicht als das lokale Museum neben dem international anerkannten Hoesch-Museum verstanden werden. Ein Nachteil: Einfluss auf die Ausstellungskonzeption des Papiermuseums, das am 9. September mit einem Fest eröffnet werden soll, kann sie nicht mehr nehmen.

Internationaler soll es werden

Allerdings will sie den Werkstoff wieder stärker unter künstlerischen Aspekten betrachten, den internationalen Austausch pflegen — und der, sagt sie, müsse sich dann auch im Museumsprogramm beider Häuser widerspiegeln. Das Hoesch-Museum bietet den idealen Raum dafür — und hat ihn früher zu Zeiten der Internationalen Papierbiennale schon geboten. An die knüpft sie indirekt an, wenn sie bei diesem Thema von einem internationalen Austausch spricht. In beiden Häusern kann Anja Dorn zudem auf einen umfangreichen Bestand zurückgreifen, der in neuem Kontext präsentiert werden könne.

Schon in Köln zu ihren Zeiten beim Kunstverein ist es ihr gelungen, genreübergreifend zu arbeiten, Kunst beispielsweise mit Film zu verknüpfen. „Ich will mit performativen Formaten arbeiten“, sagt sie und entwirft gleichzeitig die Idee von Ausstellungen, die literarische Motive aufgreifen und mit Arbeiten von Regisseuren ergänzt werden. Kunsthistorisch werde sie zudem arbeiten, „mit Themen, die es in dieser Stadt gibt“.

Stichworte, die sie benennt, reichen dabei von der Psychiatriegeschichte in Verbindung mit der LVR-Klinik, künstlicher Intelligenz mit dem Blick zum Forschungszentrum nach Jülich und landen dann bei ihrem ersten Projekt, das sie gerne in Angriff nehmen möchte: einer Ausstellung zur Industrielandschaft. Die Industrie habe das Bild der Stadt nachhaltig geprägt und das Thema böte zudem die Gelegenheit, mit anderen Gegenden in Deutschland in einen Dialog zu treten.

Anja Dorn hat viele Ideen. Vor allem will sie als neue Museums-direktorin in Düren den Blick auf die Kunst ausweiten. „Der Kulturbetrieb ist viel zu sehr fixiert auf zeitgenössische oder Gegenwartskunst. Dieses Museum ist ein Schatz“, sagt sie an anderer Stelle und blickt in den Raum — voll mit Werken von Ernst Wilhelm Nay. Auch die könnten dazu beitragen, dass sie sich in Düren wohlfühlen wird. Auf vier Jahre läuft der Vertrag? Anja Dorn antwortet nicht mit Ja, sondern spontan mit: „Er ist verlängerbar.“

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