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Würselen: Leidenschaftlicher Musikforscher, Solist und Lehrer

Würselen : Leidenschaftlicher Musikforscher, Solist und Lehrer

Der Star-Trompeter Ludwig Güttler ist nicht nur ein Perfektionist auf seinem Instrument und ein temperamentvoller, scharfsinniger Gesprächspartner, er ist zudem sehr ehrlich.

„Nicht jede Stadt oder Region reizt mich, aber nach Aachen oder in die Nähe von Aachen komme ich immer wieder gern. Das liegt an den Freunden und an der historischen Bedeutung.” Sowohl bei der Reihe „Meisterkonzerte” als auch beim Benefizkonzert für den Dom leuchteten bereits barocke Klänge unter seiner Leitung und Mitwirkung auf.

Nun ist das „Bläserensemble Ludwig Güttler” zusammen mit seinem Gründer am 11. Juni (19.30 Uhr) ein Höhepunkt beim Klassik-Sommerfestival auf der Freiluftbühne der Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg. „Die Bühne kenne ich noch nicht, aber ich brauche dazu nur einen Moment”, sagt der 61-jährige Solist und Dirigent, der aus dem Erzgebirge stammt.

Als rastloser Musiker ist er stets auf der Suche nach neuen Einblicken. So gründete er, der sich seit 1991 zudem als Vorsitzender eines Fördervereins dem Wiederaufbau der der Dresdener Frauenkirche widmet, neben dem Blechbläserensemble das Leipziger Bach-Collegium und das Kammerorchester Virtuosi Saxoniae. „Ich habe das Bedürfnis, mit Menschen zu arbeiten, das ist schon eine besondere Art von Egoismus”, meint Güttler.

„Jeder hat nur zwei Augen und zwei Ohren, unsere Zeit ist begrenzt. Die Erfahrungen anderer machen mich neugierig, und im Arbeitsprozess entwickeln sich oft erstaunliche Einsichten. Das spürt man immer dann, wenn plötzlich ein Ersatzmusiker in die Gruppe kommt, der zwar hervorragend ist, aber diesen Prozess nicht mitgemacht hat.”

Das Vordringen in neue Dimensionen ist eine von Güttlers Leidenschaften. Hier wird er zum musikhistorischen „Detektiv”, der bereits zahlreiche zu Unrecht vergessene Werke in Archiven ausgraben konnte. „ Wenn in einer Region, in einer Zeit etwa an einem gebildeten Fürstenhof eine hoch entwickelte Kunst existierte, dann muss diese Spitze auf einer breiten Basis stehen.”

Das reiche Wissen etwa um den unter Komponisten durchaus üblichen Tausch von Werken oder die Tatsache, dass sich geistige Zentren manchmal sogar durch die Heirat einer Prinzessin verlagern konnten, haben ihm häufig geholfen. Zum Studium der Musik gehört für Güttler ein solides Allgemeinwissen sowie eine Fähigkeit, sich selbst zu organisieren. „Was ich am Montag hätte lernen sollen, kann ich nicht auf den Donnerstag verschieben. Das ist verpasste kostbare Lebenszeit.”

Zu der in Musikerkreisen intensiv diskutierten „historischen Aufführungspraxis” hat Güttler eine klare Meinung: „Wenn eine Quelle authentisch ist, ist es auch der Fluss, der aus ihr hervorgeht. Das Instrument ist nur das Hilfsmittel, es kommt auf den Menschen an.” Wie das klingt, wird man beim Konzert auf Burg Wilhelmstein erfahren können.

Karten gibt es in allen Zweigstellen unserer Zeitung. Info: 0241/5101192 oder 0241/5101175.