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Heimbach: Leichtfüßiges und Schwergewichtiges zum Auftakt der „Spannungen“

Heimbach : Leichtfüßiges und Schwergewichtiges zum Auftakt der „Spannungen“

Wenn das Kammermusikfestival „Spannungen“ in Heimbach seinen Namen verdient, dann auf jeden Fall im Eröffnungskonzert des mittlerweile 18. Jahrgangs. Der lange Abend fiel so bunt und kontrastreich aus, dass die musikalischen Beiträge für sich sprechen mussten und konnten.

Ein konzeptorientiertes Motto war nicht zu erkennen, was durchaus der Philosophie des Festes entspricht. Die Leitidee dieses Jahres, „Widmungen“, ist ohnehin so vage formuliert, dass der Programmvielfalt keine Grenzen gesetzt sind.

Rund 45 Werke und 33 namhafte Solisten, zuzüglich das Kölner Kammerorchester, locken bis zum Sonntag wie gewohnt Freunde edler Kammermusik aus nah und fern in das pittoreske Jugendstilkraftwerk Heimbach am malerischen Rursee.

Bekanntes und kaum Bekanntes, Großes und Kleines, Leichtfüßiges und Schwergewichtiges bestimmte den offiziellen Auftakt. Ein freches, in bester französischer Tradition keck sprudelndes „Divertissement für Oboe, Klarinette und Fagott“ des später von den Nazis umgebrachten Erwin Schulhoff bot den Spitzenbläsern Christian Wetzel, Jonathan Hadas und Dag Jensen mehr als eine Einspielübung.

Maximilian Hornung, einer der kultiviertesten Cellisten der jüngeren Generation, gestaltete Claude Debussys Cello-Sonate mit subtiler klanglicher Sensibilität, unterstützt von Mario Häring am Klavier, einem der beiden Stipendiaten dieses Jahres, der neben der Pianistin Ráchel Skleniková bereits im Vorfeld in einem Vorspannkonzert mit einem anspruchsvollen Programm für Begeisterung sorgte.

Webers Flöten-Trio op. 63 gehört vielleicht nicht zu den stärksten Werken des frühromantischen Meisters, erfuhr aber durch die Flötistin Andrea Lieberknecht, der Pianistin Dina Ugorskaja und den Cellisten Maximilian Hornung eine ausgefeilte Interpretation. Die Klezmer-Verwandtschaft der beiden „Hebräischen Skizzen“ des kaum bekannten, 1951 verstorbenen russischen Komponisten Aleksander Krein, der alle antijüdischen Widerstände in seinem Heimatland überstanden hat, wurde durch den Klarinettisten Jonathan Hadas und seine vier Streicher-Kollegen hörbar.

Eine stimmungsvolle Vorbereitung auf den gipfelnden Schlusspunkt des Abends, Johannes Brahms‘ Klavierquintett op. 34, eines der mächtigsten Kammermusikwerke des jüngeren Brahms. Ein von Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Genialität bestimmter Streich, ein wichtiger Meilenstein auf Brahms‘ Weg zu einer eigenen Handschrift und zu großen Formen.

Hier war auch Lars Vogt, der Spiritus Rector des Festivals, am Werk, wobei er sich hörbar zurücknahm und die Balance mit den Streichern nicht gefährdete. Die druckvolle Aufbruchstimmung des Stücks ging somit ungewöhnlich stark von den Streichern aus, während Vogt die Schubert-Nähe im Andante und die harmonischen Kühnheiten in der Einleitung zum Finalsatz besonders fein ausführte.

Ovationen nach diesem Kraftakt, dem in der laufenden Woche Höhepunkte in Serie folgen werden. Neben Schlüsselwerken von den ganz Großen der Zunft auch etliche Raritäten mit hohem Überraschungsgehalt. Und das nicht nur in diesem Jahr. Die RWE, der Hauptsponsor des Festes, hat bereits seine Unterstützung bis 2019 zugesagt.