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Lüttich: Lebenslange Haft für Kindermörder

Lüttich : Lebenslange Haft für Kindermörder

Am Ende hat Abdallah Ait Oud noch einmal seine Unschuld beteuert. „Ich schäme mich meiner Vergangenheit”, sagte er, „aber urteilen Sie nicht wegen meiner Vergangenheit über mich. Ich bin unschuldig.” Die Geschworenen beeindruckte das nicht, Ait Oud, 41, wurde am Mittwochmorgen verurteilt, zu lebenslanger Haft.

Im Jahr 2006 hatte er nach Auffassung des Gerichts Stacy und Nathalie, 7 und 10, erst vergewaltigt und dann ermordet. Als Ait Oud das Urteil hörte, ließ er sich über die Brüstung der Anklagebank nach vorne fallen, zwei Polizisten bekamen ihn gerade noch zu fassen.

Die Tat hatte im Sommer 2006 in Belgien für großes Aufsehen gesorgt, die Beweislage allerdings war zunächst nicht eindeutig. Am Dienstag noch hatte Generalanwältin Marianne Lejeune eingestanden: „Niemand hat ihn damals mit den Kindern weggehen sehen.” Aber es gab viele Indizien, die trotzdem gegen Ait Oud sprachen: Stofffasern, Haare, Zeugenaussagen und wissenschaftliche Erklärungen, die sich mit den Untersuchungsergebnissen deckten.

Wenn nur ein einziges Indiz für den Angeklagten spräche, sagte Lejeune, dürfe man Ait Ouds Schuld infrage stellen; aber Ait Ouds Anwalt Oliver Martins hat keines liefern können. Stattdessen wurde Martins nicht müde zu betonen, sein Mandant habe kein faires Verfahren erhalten.

Und dann ist da ja auch noch die Strafakte, deren Kenntnis es den Geschworenen nicht leicht machte, im Angeklagten ein Opfer der Justiz zu erkennen: Ait Oud war bereits 1994 wegen jahrelangen Missbrauchs seiner Nichte zu fünf Jahren Haft verurteilt, jedoch nach drei Jahren wieder freigelassen worden. Insgesamt verbrachte er wegen verschiedener Delikte 18 seiner 41 Lebensjahre im Gefängnis. Zuletzt war er verurteilt worden, weil er 2001 eine 14-Jährige vergewaltigt hatte.

Das Gericht entschied auf eine lebenslange Freiheitsstrafe mit weiteren Vorkehrungen gegen eine vorzeitige Entlassung aus der Haft. Ait Oud soll keinen Tag seines Lebens mehr in Freiheit verbringen.