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Köln: Lauretas Entführerin gesteht die Tat

Köln : Lauretas Entführerin gesteht die Tat

Rund acht Monate nach der Entführung des Säuglings Laureta aus einem Krankenhaus in Leverkusen hat eine 39- jährige Angeklagte die Tat in allen Punkten gestanden und beim Vater des Kindes um Verzeihung gebeten.

„Ich möchte mich von Herzen dafür entschuldigen”, sagte die Angeklagte zu Prozessbeginn am Montag vor dem Kölner Landgericht.

Die Mutter von fünf Kindern ist wegen Entziehung Minderjähriger in einem Zustand verminderter Schuldfähigkeit angeklagt. Zum Zeitpunkt der Entführung des Mädchens Laureta soll bei der Frau eine Scheinschwangerschaft vorgelegen haben.

Der Säugling hat die Entführung nach den Worten von Staatsanwalt Tino Seesko „den Umständen entsprechend gut überstanden”. Die Eltern des Kindes hatten im Mai 2005 nach der Tat über die Medien um die Rückgabe des neu geborenen Mädchens gefleht. Der Säugling war vier Tage nach der Entführung in einem Aufzug eines Hauses in Düren nahe Aachen gesund gefunden worden.

Die 39-Jährige sagte, sie sei am Morgen der Tat mit Schmerzen in die Leverkusener Klinik gegangen, ohne die anschließende Entführung geplant zu haben. Dann sei sie in das Zimmer gegangen, in dem der gerade mal fünf Stunden alte Säugling und die Mutter des Kindes lagen. „Es war reiner Zufall, ich bin in irgendein Zimmer mit offener Tür gegangen”, erklärte die Frau, die zu Prozessbeginn angespannt wirkte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die 39-Jährige - mit weißer Kleidung als Hebamme getarnt - der Mutter zur Geburt des Kindes gratuliert. Dann soll sie das Mädchen aus den Armen der Mutter genommen haben, weil das Kind angeblich Hunger habe und in das Kinderzimmer müsse.

„Ich weiß nicht, was da passiert ist”, schilderte die Frau diesen Augenblick. Nach den Worten von Staatsanwalt Tino Seesko wickelte sie das Kind in ein mitgebrachtes Badetuch und nahm es mit, „um es als eigenes Kind aufzuziehen”. Die dunkelhaarige Frau betonte: „In diesem Augenblick war das mein Kind”.

Anschließend habe sie sich in einen Zug nach Köln gesetzt und eine Kirche besucht. Dort will sie erstmals realisiert haben, was passiert sei. „Es war, als ob ich aufgewacht bin. Ich war schockiert von mir selber”, schilderte sie.

Ihr erster Gedanke galt der Mutter des Säuglings und sie habe gedacht: „Das Kind muss so schnell wie möglich zurück”. Sie sei aber wie gelähmt gewesen. Deshalb habe sie eine Freundin angerufen, die das Kind dann mitnahm.

Laut Anklage befand sich der Säugling mehrere Tage in der Obhut der Freundin und deren Lebensgefährten. Das Paar muss sich noch vor einen Jugendschöffengericht in Aachen wegen gemeinschaftlicher Entziehung einer Minderjährigen verantworten.

Die Angeklagte will sich mit der Freundin in Düren getroffen und das Kind wieder an sich genommen haben. Anschließend habe sie das Mädchen in den Aufzug eines Hauses gelegt. „Ich habe von außen beobachtet, wie das Kind gefunden wurde”, sagte die Frau. Kurze Zeit später wurde sie nach einem Tipp des Lebensgefährten der Freundin festgenommen.

„Es ist nicht einfach, die Entschuldigung anzunehmen”, sagte der Vater von Laureta. Dem Kind und der Mutter gehe es aber gut. Die Eltern des Babys hatten nach der Tat über die Medien um die Rückgabe des neu geborenen Mädchens gefleht.

Der Prozess dauert voraussichtlich bis zum 29. Januar. Als Strafmaß ist nach Angaben eines Gerichtssprechers rechtlich eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren möglich.