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Brüssel: Laterne am Haus und Schirm an der Garderobe

Brüssel : Laterne am Haus und Schirm an der Garderobe

„Olympia” ist heimgekehrt. Das 1948 entstandene Gemälde des belgischen Surrealisten René Magritte hängt wieder dort, wo es entstanden ist. Die auf dem Boden lagernde Frauengestalt mit der Muschel auf dem Bauch ist in der Rue Esseghem 135 zu sehen.

Dort, wo Magritte 24 Jahre gelebt und mehr als 800 Ölgemälde geschaffen hat. Es ist das erste Gemälde des Surrealisten, dessen Todestag sich morgen zum 35. mal jährt, in dem auf private Initiative hin entstandenen Museum.

Gewiss, Zeichnungen, Skizzen, Pastelle und vor allem auch Werbeplakate aus dem Schaffen René Magrittes waren schon vorher in dem 1999 eröffneten Museum zu sehen. Doch ein Ölgemälde konnte der Verein bislang nicht bieten. Denn das Museum stößt zwar auf Wohlwollen bei den politisch Verantwortlichen, zur finanziellen Unterstützung konnte man sich aber kaum durchringen.

So steht vor dem Backsteinhaus aus den 20er Jahren in der ruhigen Kleinstadtstraße ein Laternenmast, den Magritte-Liebhaber aus zahlreichen seiner Werke kennen, als fast einziges Erkennungszeichen. Eine Klapptafel mit der Aufschrift „Magritte-Museum” wird während der Öffnungszeiten von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr noch dazu gestellt.

Das wars. Wer hingefunden hat, muss klingeln. „Magritte” steht auf dem einzigen Namensschild am Tür-Eingang. Schritte auf der Treppe, die Tür wird geöffnet. Zwei ABM-Kräfte hat das Arbeitsamt bewilligt, und die beiden jungen Damen führen die Besucher durch das Erdgeschoss, in dem Magritte mit seiner Frau Georgette von 1930 bis 1954 lebte.

Der Maler war erfolglos aus Paris zurückgekehrt, wo er vergeblich Anschluss an Surrealistenkreise um Andre Breton gesucht und auch kommerziell mit seinen Werken keinen großen Erfolg hatte.

In Jette fand er eine kleine, bezahlbare Wohnung mit Garten. Ein Empfangssalon, ein Schlafzimmer, ein weiterer Raum, der als Wohnraum und Atelier diente, ein Anbau, in dem Magritte später Bad und Küche einrichtete. Und dahinter ein Garten mit einem weiteren Atelier, das der Künstler allerdings nur für die ungeliebten Werbeaufträge nutzte, mit denen er sein Einkommen aufbesserte.

Die Zimmer sind liebevoll restauriert und mit Originalmöbeln ausgestattet. Schränke, Kommoden und Regale, die Magritte nach eigenen Entwürfen anfertigen ließ, vor allem aber Interieur-Details, die aus seinen Werken bekannt sind. Der Kamin, das Fenster, das Treppengeländer - alles vom Künstler in seinen Werken verewigt.

Natürlich fehlt nicht ein Garderobenständer mit Melone und Regenschirm, und auch eine Pfeife ist zu sehen. Die Farben der Wände sind so wie zu Magrittes Zeiten. Das leuchtende Türkisblau, in dem der Maler den Empfangssalon gestaltete, ist ebenfalls bestens aus seinen Werken bekannt.

Zu Magrittes Zeiten waren erster und zweiter Stock des Gebäudes an andere Mieter vergeben. Heute wohnt niemand mehr in dem für Brüssel typischen Gebäude auf dem handtuchschmalen Grundstück. Die Obergeschosse werden jetzt genutzt, um das Leben des Künstlers mit Fotos und Dokumenten nachzuzeichnen.

Da zeigt sich, dass lange vor deutschen Abgeordneten auch Magritte aus seiner Bekanntheit Nutzen bei Airlines ziehen konnte. Ein Direktor der belgischen Fluglinie Sabena, die über Jahre mit Magrittes mit Wolken gefüllter Taube warb, versichert dem besorgten Maler voller Ernst: „Ihr Hund Loulou wird von der Fluggesellschaft selbstverständlich wie ein VIP behandelt.”

Margritte-Museum: rue Esseghem, 135 (nahe place Emile Bockstael). Öffnungszeiten täglich außer montags und dienstags 10 bis 18 Uhr.