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Aachen: „Last Night“ im Kurpark: Pianistin Olga Scheps wird als Solistin gefeiert

Aachen : „Last Night“ im Kurpark: Pianistin Olga Scheps wird als Solistin gefeiert

Großer Auftritt für das Sinfonieorchester Aachen und Olga Scheps, seinen jungen Gast am Flügel: „Russische Seele“ lautete das Motto der „Last Night“ bei den Kurpark Classix Aachen, eine kühle, zumindest bis Konzertende trockene, aber windige Nacht.

Und genau das ist der Grund, warum Veranstaltungsleiter Christian Mourad dem Publikum gleich zu Anfang mitteilen muss, dass in diesem Jahr das traditionelle Feuerwerk ausfällt. „Ein Probeböller, und wir wussten, das wird zu gefährlich“, so Mourad vor murrenden Zuschauern.

Als künstlerische Entschädigung wird kurzfristig das Programm erweitert. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah wählt Tschaikowskis ausladende und abwechslungsreiche „Ouverture solennelle 1812“ als Abschlusswerk aus, die in heroischen Bildern den Sieg Russlands während der Napoleonischen Kriege 1812 nachzeichnet. 1882 war die Uraufführung in Moskau.

Zunächst betritt mit Olga Scheps eine Pianistin die Bühne, die sich mit Aachen verbunden fühlt. Kein Wunder, schließlich ist Vater Ilja Scheps an der Musikhochschule Professor für das Fach Klavier. Kraftvoll setzt Tochter Olga im Zusammenwirken mit einem konzentriert und aufmerksamen Orchester Tschaikowskis 1. Klavierkonzert op. 23 b-Moll in Szene.

Unter der Stabführung von Abdullah glänzen die Soli, ohne den Blick von der Solistin zu lenken. Hier ist die Balance zwischen wuchtiger Geste und empfindsamer, fast philosophischer Zartheit gefragt, ein technisch wie emotional anspruchsvolles Werk, das Olga Scheps souverän und zugleich mit sympathischer Bescheidenheit bewältigt. Als Zugabe schenkt sie den Classix das Finale aus Sergej Prokofjews 7. Sonate („Stalingrad“), vor der Pianisten größten Respekt haben — zu Recht.

Mikhail Glinkas beschwingte Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ludmilla“ hat zuvor den Abend eröffnet, nachdem Moderator Malte Arkona locker und knapp die dramatische Liebesgeschichte des Titelpaares zusammengefasst hat. „Ich freue mich, dass ich ihr sprechendes Programmheft sein darf“, meint Arkona, der es tatsächlich schafft, heiter zu plaudern, ohne den Ernst eines Werkes zu mindern.

Dazu hat er auch bei Nikolai Rimsky-Korsakovs „Scheherazade“ Gelegenheit. Die Suite aus vier Sätzen basiert — natürlich — auf der berühmten Geschichtensammlung „Tausendundeine Nacht“. Hier klingt auf, was man sich von einem orientalischen Märchen wünscht: tyrannischer Sultan, zarte Erzählerin, tosendes Meer, Prinz und Prinzessin. Die Orchestermusiker setzen diese Facetten sorgfältig um. Das rührende, immer wieder aufblühende Thema für Solo-Violine wird von Felix Giglberger, erster Geiger im Orchester, meisterhaft präsentiert, dafür gibt es später besonderen Applaus.

Anstelle von Händels „Feuerwerksmusik“ samt Himmelsspektakel erfährt der Zuhörer schließlich, was Tschaikowski kompositorisch zum Sieg Russlands in den Napoleonischen Kriegen zu berichten hat, ein abwechslungsreiches Werk — Glockenklang inklusive. Schlicht und konzentriert der Beginn, die „Aufstellung des Heeres“, massiv der „Kampflärm“, endlich das erlösende „Siegeslied“. Zentrales Signal für französische Anfangserfolge: die Marseillaise, die später mit dem russischen Volkslied „ringt“. Der Sieg Russlands erklingt schließlich mit Glockengeläut.

Abdullah lenkt das Orchester wie ein Kapitän auf hoher See sicher durch alle Stimmungs- und Tempi-Wechsel bis hin zur gravitätischen Zarenhymne. Ein musikalisches „Feuerwerk“. Viel Applaus trotz kalter Hände und vorgerückter Stunde, oder, wie Arkona es zusammenfasste: „Friede, Freude, Russisch Brot!“