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Köln: Lange Gesichter bei den Jecken

Köln : Lange Gesichter bei den Jecken

Es geht um Geld, Macht und vermutlich auch um verletzte Eitelkeit. Manchmal ist der organisierte Kölner Karneval eben genauso wie das richtige Leben.

Und das bekommt derzeit die renommierte Willi-Ostermann-Gesellschaft zu spüren. Kurz vor dem Start der jecken Session ist die Karnevalsgesellschaft ins Gerede gekommen, was umso mehr für Aufsehen sorgt, da sie traditionell den bundesweit beachteten Karnevalsauftakt am „11.11.” in der Kölner Altstadt organisiert.

Während dann bis zu 70.000 Jecken ausgelassen feiern, sollen hinter den Kulissen „Zustände wie bei der hessischen SPD” herrschen, wird seit Wochen an den einschlägigen Kölner Stammtischen geraunt.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Vereinspräsident Peter Schmitz-Hellwing. Der Immobilienkaufmann gilt als karnevalistische Führungsfigur mit Ausstrahlung und bestens vernetzt in Kölns komplizierten jecken Strukturen. Unbestritten ist auch, dass der 2003 gewählte Schmitz-Hellwing viel frischen Wind in die bis dahin eher betuliche Gesellschaft gebracht hat.

Nun jedoch regt sich die Opposition. Kritiker - auch aus dem engsten Führungszirkel des Vereins - bescheinigen Schmitz-Hellwing unerfreuliche Beratungsresistenz und einen autoritären Führungsstil. Unbehagen lösen wohl auch seine Ambitionen aus, in Köln zusätzlich noch als Ausrichter von lukrativen Großveranstaltungen jenseits des Karnevals aufzutreten.

Natürlich hat der 55-Jährige innerhalb des Vereins auch noch Anhänger. In ihren Kreisen wird die teilweise vehemente Kritik als völlig normaler gruppendynamischer Prozess innerhalb eines agilen Vereinslebens abgetan.

Indes verweisen unabhängige Beobachter darauf, dass es im Kölner Karneval gängige Praxis sei, Vereinspräsidenten abzuservieren, wenn diese zu mächtig oder zu selbstherrlich geworden sind.

Dieses Schicksal könnte nun auch Schmitz-Hellwing drohen, denn schon eine Woche nach Karnevalsauftakt soll eine außerplanmäßige Mitgliederversammlung der Willi-Ostermann-Gesellschaft über die Zukunft des Präsidenten entscheiden.

Der Termin war von den Gegnern des leitenden Funktionärs durchgesetzt worden. Schmitz-Hellwing sprach am Freitag von einem schwebenden Verfahren. Am 18. November hätten dann die Mitglieder das Wort.

Der 55-Jährige hatte gewusst, worauf er sich einließ. Karneval sei nun mal ein extrem schwieriges Geschäft, erklärte Schmitz-Hellwing noch im vergangenen Jahr in einem Zeitungsinterview: „Man muss Menschen zusammenbringen, die alle das Gleiche wollen - aber mit unterschiedlichen Mitteln.”

Die übrigen Kölner Karnevalskader beobachten den Streit mit Unbehagen, zumal es ausgerechnet die Willi-Ostermann-Gesellschaft trifft. Ostermann (1876-1936) gilt heute noch als der bedeutendste Kölner Mundart-Poet.

Besonders seine Textzeile „ich mööch zo Foß no Kölle gon” (Ich möchte zu Fuß nach Köln gehen) ist auch 70 Jahre nach ihrem Entstehen geeignet, Kölnern in der Heimat und der Fremde feuchte Augen zu bescheren.

Umso unangenehmer, dass sich ausgerechnet die ehrenamtlichen Nachlassverwalter des kölschen Großdichters jetzt in einen internen Machtkampf verstrickt sehen. Die arbeitsintensiven Vorbereitungen für den „11.11.” am kommenden Dienstag seien durch den Streit jedenfalls nicht beeinträchtigt worden, beteuerte Schmitz-Hellwing am Freitag. Alles sei bereit, damit an diesem Tag die „karnevalistische Welt wieder auf Köln” blicken könne.