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Düsseldorf/Köln: Lachen polizeilich verboten: Museum zeigt Medienhandwerker Valentin

Düsseldorf/Köln : Lachen polizeilich verboten: Museum zeigt Medienhandwerker Valentin

Auch nördlich des „Weißwurstäquators” hat der urbayerische Komiker und Kabarettist Karl Valentin (1882-1948) eine eingeschworene Fangemeinde. Doch selbst notorischen Kennern dürfte die Rolle des klapperdürren Bühnen-Sonderlings mit dem Hang zur kuriosen Sprach-Artistik neu sein, in der ihn das Düsseldorfer Filmmuseum jetzt zeigt.

Valentin als Filmpionier und Medienhandwerker steht im Zentrum der mit 350 Exponaten detailreichen Dokumentar- Ausstellung, die sich aus ungehobenen Schätzen des Künstler- Nachlasses in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung an der Uni Köln speist.

Valentins zerschlissener Zylinder oder sein klappriges Bühnen-Fahrrad lockern als liebenswerte „Reliquien” die Dokumentation auf.

Valentin, technischer Tüftler seit Kindertagen, nutzte nicht nur früh Medien-Errungenschaften, sondern kombinierte „multimedial” kuriose selbst erzeugte Geräusche mit Stummfilm oder wusste um die Wirkung der Diaprojektion, die er mit der Unterzeile „Lachen polizeilich verboten” auch zur Kino-Werbung für seine eigenen Auftritte an der Seite Liesl Karlstadts einsetzte. Die ellenlange Liste technischer Requisiten für eines seiner 414 Bühnen-Stücke ( „Flug zum Mond” /1928) führt aber auch simpel „8 Stück Rossäpfel” auf.

Erstmals seit der Uraufführung 1929 ist in der Düsseldorfer Schau die „Fremdenrundfahrt” durch München als intermediales „modernes Lichtspiel mit Film, Glaslicht und Lautsprecher” (Valentin) zu sehen. „Valentin wird neu entdeckt als Figur zwischen den Medien, die aus diesem Dazwischen Neues macht”, erklärte Valentin-Forscher Klaus Gronenborn am Freitag.

Dass die Selbst-Inszenierung Valentins, der 1948 an Auszehrung und Lungenentzündung starb, bis zur Nutzung des eigenen, spindeldürren Körpers reichte, zeigt eine wahre Flut historischer Fotos, Karikaturen und - bisher nie ausgewerteter - Zeitungskritiken, die der Künstler als „Buchhalter seines eigenen Erfolges” sorgsam in Alben geklebt hat.

Schon 1902 setzte er sich im Sketch „Telefon-Schmerzen” kritisch mit dem Telefon auseinander, bevor er sich erst viel später im legendären „Buchbinder Wanninger” heillos in einer Endlosschleife der Wörter und der Logik verhedderte.

Hoffnungen darauf, dass der 1953 aus schierem Desinteresse Münchens per Privatankauf für 7000 Mark nach Köln gelangte Nachlass Valentins wieder an die Isar zurückkäme, seien unbegründet, sagte der Nachlassverwalter der Erben, Gunter Fette, in Düsseldorf. Zwar werde bisweilen in München „zum Sturm auf Köln geblasen”, aber hier am Rhein seien die Schätze für immer „festgenagelt”.