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Aachen: „Kuschel-Klassik” darf kurz vor Weihnachten nicht fehlen

Aachen : „Kuschel-Klassik” darf kurz vor Weihnachten nicht fehlen

Anheimelnd ging es zu beim vorweihnachtlichen 3. Meisterkonzert im Aachener Eurogress. Weltstar Albrecht Mayer konnte dabei unter Beweis stellen, dass er nicht nur ein begnadeter Oboist ist, sondern sich auch als Moderator blendend zu verkaufen weiß.

Wenn es das Aachener Publikum nicht schon längst gewusst hätte, dann hätte es an diesem Abend erfahren können, dass klassische Musik nicht unbedingt sperrig daherkommen muss, wenn sie denn weihnachtlich angenehm verpackt ist. Mayer und die Festival Strings Lucerne waren mit einem Programm angereist, das Musik des jugendlichen Felix Mendelssohn-Bartholdy reifen Werken von Johann Sebastian Bach gegenüberstellte, letztere in den meisten Fällen Bearbeitungen oder Rückbearbeitungen von Instrumentalkonzerten, die Bach selber für Cembalo bearbeitet hatte.

Die fabelhaften Festival Strings aus Luzern spielten zwei Jugendsinfonien Mendelssohns, die einsätzige Nr. 10 in h-Moll und die viersätzige Nr. 9 in c-Moll, jugendliche Geniestreiche des 14-Jährigen, deren Erfindungskraft, kontrapunktische Könnerschaft und deren Klangsinn mit den doppelt besetzten Bratschen faszinieren.

Jugendlicher Impetus

Die Schweizer spielten die Stücke mit jugendlichem Impetus, zügigen Tempi, technisch makellos und einem Schuss Eleganz, die ihnen gut zu Gesicht stand.

Der Rest war Albrecht Mayer, von dem das Publikum unter anderem erfuhr, dass er im Sommer geheiratet und sich durch diese späte Heirat die beiden ersten Ehen erspart habe. Glückwunsch! Er blies mit berückend schönem und weichem Ton zwei Choralbearbeitungen, ein aus Kantatensätzen zusammengestelltes Oboenkonzert und das Konzert für Oboe d´amore A-Dur.

Schön anzuhören war es immer, in den schnellen Ecksätzen hochvirtuos, in den langsamen Sätzen mit den manieriert wirkenden Tempomodifikationen und Zerdehnungen stilistisch höchst anfechtbar. Er hatte von vorneherein das Publikum auf eine Reihe von Zugaben eingestimmt. Die kamen denn auch reichlich.

Endgültig in dem Genre, das man heute Kuschelklassik nennt, war man angekommen bei der ersten, einer Bearbeitung von Händels Arie „Lascia, io piango”. Auch „Stille Nacht, heilige Nacht” durfte nicht fehlen.