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Köln: Kurze Momentaufnahme einer Selbstzerstörung

Köln : Kurze Momentaufnahme einer Selbstzerstörung

Für Pete Doherty gibt es nur schwarz oder weiß. Schwarzes Shirt, schwarze Hose, schwarzer Hut und weiße Schuhe. Der Sänger der Babyshambles ist eben ein Mann der Extreme.

Er nahm (das ist bewiesen) und nimmt (davon ist immer noch auszugehen) Drogen wie andere Menschen Gummibärchen. Er turtelte mit Supermodel Kate Moss. Und doch ist er mit seiner Band das größte Rock´n´-Roll-Versprechen des 21. Jahrhunderts.

Das hat das Konzert in der ausverkauften Kölner Live Music Hall bewiesen. Aber es hat auch gezeigt, dass der Mann auf dem besten Weg in den Abgrund ist und es so wohl bei einem Versprechen bleiben wird.

Doch der Reihe nach: Die erste wichtige Erkenntnis des Abends ist, dass das Konzert tatsächlich stattfindet. In der Vergangenheit hatte Doherty mehr Konzerte abgesagt als gespielt. Und als die Vorband „Kilians” eine Extrarunde scheppern muss, gibt es böse Befürchtungen.

Mit halbstündiger Verspätung kommt Doherty mit Gitarrist Mick Whitnall, Bassist Drew McConnell und Schlagzeuger Adam Ficek dann doch auf die Bühne. Und mit ihm die zweite Erkenntnis, dass der 28-Jährige ein brillanter Musiker und Kreativkopf ist.

Die Opener „Carry on” und „Delivery” haben alles, was großartigen Rock ´n´ Roll ausmacht: satte Riffs, klaren Rhythmus, große Lyrik, Mitgrölrefrains.

Recht schnell deutlich wird aber auch, dass Pete Doherty von einer gesunden Lebensweise weiter entfernt ist als die Erde vom Mond. Es ist die Momentaufnahme einer Selbstzerstörung. Brillante Songs wie „The Blinding” oder „Side of the road” können über den verheerenden Zustand des Briten nicht hinwegtäuschen. Schwer bedenklich ist, dass das meist recht junge Publikum mehr dem Mann als seinen Kompositionen huldigt.

Sie stört es auch nicht, dass er nach kaum mehr als 40 Minuten wieder von der Bühne stolpert. 19 Lieder standen auf dem Programm, elf waren bis dato erst gespielt. Es dauert ein paar Minuten, dann gibt es immerhin noch ein wahnsinnig gutes und doch auch wahnsinnig wahnsinniges Finale.

Whitnall, zupft das melodiöse Intro zu „Albion”, einer Ballade an der Grenzen zur Perfektion, und pustet dabei in eine Mundharmonika. Doch in dem Moment, als Doherty mit seinem Gesang einstimmen müsste, geht „Albion” schonungslos in das Pöbelstück „... forever” über.

Es ist die Hymne der britischen Unterschicht und mehr als alles andere Ausdruck des Wahnsinns, der mit dem Genie auf der Bühne steht. Das Stück endet im Mixer, wird von den Babyshambles filetiert und in einem letzten Refrain wieder zusammengesetzt. Dann ist Schluss.