Aachen: Kurpark Classix: Mit einem Schuss Magie und viel Konfetti

Aachen : Kurpark Classix: Mit einem Schuss Magie und viel Konfetti

Mit langen Schritten eilt er auf die Bühne, der rosa gemusterte lange Schal weht, die Nacht ist kühl und klar, der Star des Abends in bester Stimmung: Mit dem mexikanischen Tenor Rolando Villazón tritt bei den zwölften Kurpark Classix in Aachen ein Protagonist auf die Bühne, der das Publikum begeistert.

Nicht nur, weil er mit Leidenschaft singt, sondern weil er den Menschen vermittelt, wie gern er das für sie tut. Es ist eine magische Wechselwirkung, und an diesem Auftaktabend funktioniert sie. Da sind selbst ein paar kleine sängerische Unebenheiten zweitrangig.

Die Gruppe Revolverheld mit Sänger Johannes Strate begeisterte die Zuschauer. Foto: Stefan Schaum

Mit dem neuen Generalmusikdirektor Christopher Ward und dem Sinfonieorchester Aachen an seiner Seite fühlt sich Villazón sichtlich wohl. Und Ward wiederum hat es nicht schwer, die Zuschauer mit seiner freundlichen Souveränität zu überzeugen. Sollte er aufgeregt gewesen sein — davon ist keine Spur mehr übrig. Das Programm ist vielschichtig, der Auftakt „Les Toréadors“ aus George Bizets Oper „Carmen“ glutvoll und dennoch luftig leicht, ein Gefühl, das den gesamten Abend prägt.

Louise Alder singt zart und hingebungsvoll

Mit der britischen Sopranistin Louise Alder hat Villazón eine Bühnenpartnerin, die aufhorchen lässt. „Je veux vivre“ aus Charles Gounods Oper „Roméo et Juliette“ berührt. Zart und hingebungsvoll interpretiert sie Bellini, dann wieder sprüht sie vor Temperament und verleiht Franz Lehárs „Giuditta“ („Meine Lippen, sie küssen so heiß“) gedämpfte Erotik. Wenn Louise Alder aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ das „I feel pretty“ singt, würde ihr niemand widersprechen.

Anmutige orchestrale Stücke (Ward lässt mit dem Orchester Bizets „Intermezzo“ und „Aragonaise“ aus der Carmen-Suite Nr. 1 in den Abendhimmel aufsteigen) verbinden sich mit stimmlichen Leistungen — und natürlich darf Villazón mit ausgebreiteten Armen tenoral schmettern. „La Danza“ von Rossini ist ein Werk, mit dem er zu glänzen versteht — es wird gegen Bellinis „Vaga luna che inargenti“ ausgetauscht. „Der Mond scheint ja nicht, da kann man das nicht singen“, sagt Villazón schelmisch. Galant umgarnt er seine Partnerin, es gibt Bühnenflirt und eine Runde Walzer, zu der er extra seine Atempause unterbricht.

Die Zuschauer sind begeistert, genießen zudem Villazóns Dramatik bei „The Impossible Dream“ aus Mitch Leighs „Man of La Mancha“. Eine Punktlandung sind die Zugaben: „Reich mir die Hand, mein Leben“, aus Mozarts „Don Giovanni“ — zugewandt und wunderschön gesungen. Und ein guter Papageno mit verliebt funkelnden dunklen Augen ist Villazón auch: Das süße Duett Papageno & Papagena aus Mozarts „Zauberflöte“ gelingt spielerisch. Wunderkerzen glitzern, die „Night at the Opera“ ist ein Erfolg.

Konfettisturm beim Revolverheld

Gefeiert wird nicht minder heftig gleich am nächsten Abend. Ein Konfettisturm beendet das Konzert der Gruppe Revolverheld. War Villazón bereits in Plauderlaune, so setzen das diese Jungs fort. Als Unterhaltungsangebot für die ganze Familie, denn an diesem Abend ist die Altersspanne breit. Viele Kinder sind im Publikum, deren Wohlergehen Sänger Johannes Strate — selbst seit fünf Jahren Vater — am Herzen liegt. Nach den ersten Stücken wirft er haufenweise Ohrstöpsel in die ersten Reihen: „Kinder, tragt die mal besser, denn wir werden im Lauf des Abends ganz sicher nicht leiser!“

Vom aktuellen Hit „Immer noch fühlen“, der die Show mit Schmackes eröffnet, bis zu „Lass uns gehen“, das im Zugabenblock ausgepackt wird, ergeben die Songs aneinandergereiht ein beachtliches Best-of-Programm. Vieles davon, etwa die Ballade „Ich lass für dich das Licht an“, wird vom Publikum mitgesungen und erstrahlt im Lichterglanz aus Hunderten hochgehaltenen Handy-Displays. „Aachen, das ist eine unglaubliche Atmosphäre!“, schickt Strate wiederholt ins Publikum.

Viele Geschichten aus seiner Jury-Tätigkeit bei der TV-Show „Voice Of Germany“ packt er zwischen die Songs. Als Sänger punktet er ohnehin — die Band agiert glänzend. Druckvoll und klar kommt der Sound rüber und die aus einzelnen Säulen bestehende Videoleinwand erweist sich als äußerst nützlich. Zwei Stunden wird die Band umjubelt und am Ende gibt es nach den Schüssen aus Konfettikanonen noch Spaß mit riesigen Luftballons. Eine Rockshow mit Herz.

Staunen lässt am Sonntagabend schließlich das Feuerwerk der „Last Night“ mit dem Sinfonieorchester und dem Pianisten Tzimo Barto. Der Amerikaner interpretiert Sergej Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganinis op. 43“, eine Rarität und eine gute Wahl für Aachen (ausführlicher Bericht in unserer morgigen Ausgabe).