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Köln: Kunstwerke aus Stein und Gold erzählen Geschichte

Köln : Kunstwerke aus Stein und Gold erzählen Geschichte

„Adel und Burgen haben seit 1920, dem Zeitpunkt der offiziellen Aufhebung des Adels als Stand, ihre unwidersprochene Sonderstellung in Gesellschaft und Bewusstsein eingebüßt und sind zu Relikten einer meist unverstandenen und zunehmend unbekannten Vergangenheit mit hohem Romantik-Faktor geworden”, schreibt Harald Herzog in seiner Einführung zu „Burgen und Schlösser im Rheinland”.

Spurlos verschwunden

Hunderte dieser Anlagen sind spurlos untergegangen, doch bis heute existieren zwischen Emmerich und Monschau, Aachen und Gummersbach, an Rhein, Ruhr und Wupper noch gut 1000 dieser Relikte, die von Repräsentanz, Reichtum und einstiger Adelsherrlichkeit künden.

Anhand von 69 Schlössern und Burgen zeichnet Herzog ihren Weg von der mittelalterlichen Erdhügelburg über Kastell und Festung bis zum herrschaftlichen Barockschloss und romantischem Denkmalschloss des 19. Jahrhundert nach.

Herrscherhäuser, Fürstentümer und Rittergeschlechter prägten mit ihren Gesamtkunstwerken aus Stein und Gold das Rheinland. Ab da überlässt der Autor, der als Mitarbeiter beim rheinischen Amt für Denkmalpflege in Brauweiler tätig ist und als bester Kenner der Adelskultur im Rheinland gilt, die Sprache in der Hauptsache den Bildern.

Robert Jankes Fotos sind ebenso brillant wie stimmungsvoll. Sie erzählen von der trutzigen Burg Stolberg, die sich seit Anfang des 12. Jahrhunderts auf einem schroffen Kalkfelsen erhebt, dem schmucken Schloss Burgau, das einst einer Dürener Fabrikantenfamilie gehörte oder von der ehemaligen Wasserburg Alsdorf, die heute auf dem Trockenen liegt.

Schloss Zweibrüggen präsentiert in Übach-Palenberg seine wohl proportionierte barocke Silhouetter, Schloss Rimburg träumt am Grenzflüsschen Wurm von seiner wechselvollen Geschichte und die Zitadelle Jülich mit ihrem kunstvoll verzwickten Grundriss kündet von einem artilleristischen Kalkül, das Mitte des 16. Jahrhunderts das modernste seiner Zeit war.

Zerstörungen

Da, wo es nötig ist, spart Herzog auch nicht mit Kritik - etwa wenn Parkanlagen zerstört, Umbauten unsensibel vorgenommen wurden oder, wie bei Burg Zülpich, die umliegenden Fabrikgebäude, der Optik empfindlich schaden.

Der Werdegang der Rittersitze, Wasserburgen und Renaissanceschlösser ist oft spannend wie ein Krimi und belegt ihre Bedeutung als architektonische Zeugen der Geschichte des Rheinlands. Sie wurden vererbt, erheiratet oder gekauft, umgebaut, überarbeitet oder erneuert, sie dienten als Liebesnest, Symbol herrschaftlicher Macht. Spannend ist auch, welchen ganz und gar unterschiedlichen Zwecken all diese Adelssitze heute dienen.

Während einige zu Museen, Hotels oder Bildungsstätten umfunktioniert wurden, Mietwohnungen, Büros oder Altenheime, Schulen, Stiftungen oder Informationszentren beherbergen, werden andere noch von ihren Erbauern bewohnt und bewirtschaftet. Manchmal sogar, wie im Fall von Schloss Merode bei Düren, von einem echten Prinzen und seiner Familie.

Harald Herzog und Robert Jahnke: Burgen und Schlösser im Rheinland. Greven Verlag, 192 Seiten, 34, 90 Euro.