Maastricht: Kunstmesse Tefaf Maastricht: Ob Brad Pitt diesmal wieder einfliegt?

Maastricht: Kunstmesse Tefaf Maastricht: Ob Brad Pitt diesmal wieder einfliegt?

Letztes Jahr kam Brad Pitt. Einen alten niederländischen Meister soll er erstanden haben, sicher verbürgt ist das aber nicht.

In Maastricht offenbaren sich mitunter gänzlich unerwartete Seiten von Hollywood- und anderen Stars, die vornehmlich mit ihrem eigenen Jet auf dem Aachen-Maastricht-Airport zu landen pflegen, um der Tefaf als Überraschungsgast die Aufwartung zu machen. Über 120 Jet-Setter dieser besonders noblen Sorte sollen jedes Jahr eintreffen - verschwindend gering eigentlich bei 80.000 Besuchern der wichtigsten Kunst- und Antiquitätenmesse der Welt. Immerhin: Wer hat, der hat - und irgendwer hat schließlich immer Geld, um die eine oder andere der millionenschweren Preziosen zu erstehen. Freitag öffnet die 25. Ausgabe der Tefaf ihre Pforten - keine Frage, dass gerade die Jubiläumsveranstaltung mit Höhepunkten glänzen kann.

Beatrix war schon da

Am Abend vor der Vernissage nahm bereits eine herrschaftliche Persönlichkeit ihr königliches Privileg zu einer Vorbesichtigung wahr - in rotem Kostüm und schwarz behütet: Beatrix I. der Niederlande. Nach dem schweren Skiunfall ihres Sohnes Johan Friso war bis vor zehn Tagen noch nicht klar, ob ihr Besuch überhaupt stattfinden könnte. Mittlerweile hat die Königin ihre Amtsgeschäfte aber wieder aufgenommen.

Der jüngste Skandal um den Geilenkirchener Fälscher Wolfgang Beltracchi spielt zumindest offiziell keinerlei Rolle. Spricht man mit den Händlern, dann führen sie stets die extreme Strenge der Tefaf-Juroren ins Feld, das eigene, weltweit anerkannte Renommé und außerdem das vertrauensvolle, persönliche Verhältnis zu den zumeist bestens bekannten Kunden, den internationalen Sammlern.

Vor allem aber: Hier werden fast ausschließlich gesicherte Werte angeboten. Nur die garantieren einen Umsatz von bis zu sagenhaften 48 Milliarden Euro (2007). Beim ersten Mal 1988, da waren es noch 97 Aussteller und 18.000 Besucher, heute sind es 265 Galerien und Kunsthandlungen aus 19 Ländern. Da ist der Eintrittspreis von 55 Euro pro Einzelperson für einen Besuchstag zum wichtigsten Instrument geworden, der Messe ein Mindestmaß an atmosphärischer Intimität zu garantieren.

„Die Tefaf ist in jedem Jahr das wichtigste Ereignis der Stadt”, verkündet Maastrichts Bürgermeister Onno Hoes in einem eigens zur Jubiläumsmesse erschienenen Buch. „Auf den ersten Blick ist Maastricht ein unpassender Veranstaltungsort für die wichtigste Antiquitätenmesse, aber es gibt eine starke Bindung zwischen der Messe und der Stadt. Die beiden sind zu einer Einheit geworden.”

Das spüren sicher auch die chinesischen Journalistenkollegen, die bei der Pressevorbesichtigung am Donnerstag eine auffällig große Gruppe bildeten - und keineswegs nur chinesische Keramikdrachen auf den Fotochip bannten. In den Blick gerät zum Beispiel vor allem eine schwarze Marmorskulptur von Henry Moore, die noch niemals auf dem freien Kunstmarkt aufgetaucht ist: 600 Kilogramm schwer, wird das kolossale Gebilde von Landau Fine Art aus Montreal für 35 Millionen US-Dollar angeboten. Ein repräsentatives Stück für ein Bankenfoyer...

Ein Paradox der Kunstgeschichte, dass ausgerechnet ziemlich ärmliche „Kartoffeln erntende Frauen” vier Millionen Euro bei Dickinson (London und New York) einbringen sollen, allerdings ist der Künstler nicht irgendwer - sondern Vincent van Gogh.

Jenseits des Museumsbetriebes erstaunt die Tefaf immer wieder mit seltenen Konvoluten, zum 25-jährigen Jubiläum der Messe präsentiert Daniel Blau aus München in einer Sonderausstellung 200 Zeichnungen von Andy Warhol aus dem Zeitraum von 1950 bis 1959, die damit das erste Mal auf dem Kunstmarkt kommen. Und wer einen Faible für deutsche Ikonen der Geschichte hat, der mag sich um eine seltene Tasse aus einer Kokosnuss bemühen, aus der einst Weltenbummler und Entdecker Alexander von Humboldt auf einer seiner weitläufigen Reisen getrunken hat. Die Kunstkammer Georg Laue aus München bietet sie an.

Wer noch tiefer in die Kiste der europäischen Kulturgeschichte investieren will, der landet unweigerlich bei Livia Drusilla, der dritten Gemahlin von Herzensbrecher Augustus. Der schöne schwarze Marmorkopf der zu ihren Lebzeiten als vorbildlich geltenden römischen Mutter und Ehefrau aus dem Jahr 50 n. Chr. wird von Mieke Zilverberg aus Amsterdam für zwei Milllionen Euro angeboten. Jeden Morgen der Livia, später Kaiserin Augusta, beim Frühstück ins steinerne Auge zu blicken - Kunst ist eben doch mehr als nur ein prosaischer Vermögenswert.

Für zwei Personen kosten der Eintritt und ein Katalog 90 Euro

The European Fine Art Fair, Maastricht (Tefaf), MECC (Maastricht Exhibition and Congress Centre), Forum 100.

Dauer: 16. März bis 25. März (25. Ausgabe).

Aussteller: 265 führende Kunst- und Antiquitätenhändler aus 19 Ländern.

Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19 Uhr (am 25. März bis 18 Uhr).

Eintritt: 55 Euro pro Person (inklusive Katalog), 90 Euro für zwei Personen (inklusive ein Katalog), 110 Euro Saisonticket (inklusive ein Katalog), 20 Euro Kinder im Alter von zwölf bis 18 Jahren (ohne Katalog), Für Kinder unter zwölf Jahren in Begleitung eines Erwachsenen ist der Eintritt frei.

Während der Kunstmesse findet erneut eine hochkarätige Auswahl an kulturellen Veranstaltungen und ganz speziellen Events in ganz Maastricht statt. Dazu gehören zum Beispiel ein Gastspiel des Het Nationale Ballet im Theater aan het Vrijthof (17. März, 20 Uhr) mit der Choreographie „Swan Lake” und ein Konzert des Amati-Ensembles am Sonntag, 18. März, ebenfalls um 20 Uhr im Theater aan het Vrijthof. Dabei wird nicht nur auf zwei Amati-Geigen, sondern auch auf Stradivaris gespielt.