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Ausstellung in Maastricht: Werner Mantz, der Fotograf mit dem perfekten Auge

Ausstellung in Maastricht : Werner Mantz, der Fotograf mit dem perfekten Auge

Werner Mantz hat die Region abgelichtet: von Köln bis Aachen, von Heerlen bis Hoensbroek. Große Ausstellung im Bonnefantenmusem in Maastricht.

Sein Werk ist in Sammlungen von mehr als 30 Museen auf vier Kontinenten vertreten, es wurde zu Lebzeiten des Künstlers in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, 1977 nahm er mit seinen Fotos vom Limburger Bergbau an der documenta in Kassel teil.

Und doch lief Werner Mantz, der in Köln geborene und 1938 nach Maastricht ausgewanderte Fotograf mit jüdischem Hintergrund, ein wenig außerhalb des Radars. Wenn man seine Arbeiten sieht, von denen mehr als 300 derzeit im Bonnefantenmuseum in einer großen Retrospektive hängen, sucht man fast zwangsläufig nach einer Erklärung, warum dieser so wichtige Fotograf bislang weniger Beachtung fand, als ihm zusteht.

Vielleicht hat es mit der außerordentlichen Präzision zu tun, mit der Werner Mantz an seine Arbeit heranging, an die Auftragsarbeiten als Fotohandwerker ebenso wie an die Kunstfotos. Fast jedes Bild ist perfekt: ein perfekter Zuschnitt, Blickwinkel, das perfekte Licht und – beim Porträt – der perfekte Moment, egal, ob er ein limburgisches Kommunionkind oder ein Bauhausgebäude ablichtete.

So heißt die Übersichtsschau konsequenterweise „The Perfect Eye“ – und sie lohnt sich für Fotografie-Interessierte, aber auch für alle, die sich für das Rheinland, das Ruhrgebiet oder die limburgische Grenzregion von Hoensbroek bis Heerlen, von Maastricht bis Meerssen erwärmen können. Werner Mantz‘ Schwarz-Weiß-Bilder zeigen Industriegeschichte, Architekturgeschichte und Gesellschaftsgeschichte seit den 1920er Jahren bis in die 1970er.

Kühltürme der Mine Emma in Hoensbroek (NL), 1938.
Kühltürme der Mine Emma in Hoensbroek (NL), 1938. Foto: Sammlung Bonnefanten/Werner Mantz

Es gibt viel Regionales zu entdecken: Schulen, Firmen, Bergbauregion, Industriestandort, das Wohnen in Köln oder das Modehaus Schunck in Heerlen, sogar das Aachener Opelwerk hat er Mitte der 30er Jahre aufgenommen. Und auch einige Bilder, die 1976 in Aachen in der Galerie Lichttropfen von Wilhelm Schürmann und Rudolf Kicken gezeigt wurden. Die Ausstellung in Aachen war damals ein voller Erfolg, jedes Bild wurde verkauft. Zehn Bilder kauften Schürmann/Kicken selbst an, sie sind zum Teil in der Ausstellung im Bonnefanten zu sehen.

Kuratiert hat die Ausstellung aber ein Experte mit genügend geografischem Abstand, der die Fotos nur nach ihrer Qualität, nicht nach lokalem Kolorit beurteilt hat. Frits Gierstberg ist Kurator am Nederlands Fotomuseum in Rotterdam – das einen Großteil des Mantz-Archivs besitzt – und hat in Maastricht die Ausstellung als Gastkurator betreut.

Für ihn gab es da diese Lücke, wie er sie nennt, den „missing link“ in der Fotografie der 1920er Jahre, als sich die Fotografie aus einer rein handwerklichen, funktionalen Anschauung löste und in eine avantgardistische, künstlerische Fotografie (Schule des neuen Sehens) verwandelte. Das fehlende Stück in der Geschichte ist Werner Mantz, der 1901 in Köln geboren wurde und 1983 in Maastricht starb. Bei ihm findet man beides: Handwerk und die Bewegung zur Kunst. Das macht den Reiz seiner Bilder aus und jenseits des einzelnen Fotos den geschichtlichen Wert dieser Arbeiten.

Und so entdecken Besucher und Besucherinnen auf der 2. Etage des Bonnefantenmuseums ein Werk von einer ungeheuren Bandbreite: Es ist ein Eintauchen in die Welt des Sehens von Werner Mantz. In gedämpftem Licht kommen die Details der oft 18 x 24 Zentimeter kleinen Bilder gut zur Geltung. Sie haben meist dieses Format, weil Mantz mit einer Plattenkamera arbeitete. Die Abzüge entsprachen in der Größe exakt dem Negativ.

Eine weitere Besonderheit seiner Herangehensweise: Er arbeitete ausschließlich mit natürlichem Licht. Er wartete bei den Außenaufnahmen auf den richtigen Moment, in dem etwa die Balkone und ihr Schattenwurf der Fotografie eine weitere Ebene schenkten. Selbst bei den Innenaufnahmen oder den Porträts setzte er auf Licht und Schatten, die die Umgebung ihm lieferten.

Werner Mantz begann als Jugendlicher, mit der Kamera seine Heimat Köln zu dokumentieren: Das Hochwasser von 1920 in Köln hat er festgehalten, ebenso wie Landschaften um Köln herum, er fertigte ab den 1920er Jahren Repros von Kunstwerken an, fotografierte Kirchen und die Heiligenfiguren in ihnen, den Siedlungsbau der 1930er Jahre, aber ebenso das moderne Leben in Köln.

Nach einem Auftrag Mitte der 1920er Jahre für einen Friseursalon bekam er einige Aufträge von Architekturbüros. Er hatte schon früh zwei Studios, eines in Köln, eines in Maastricht. Der Krieg führte dazu, dass er mit seiner Familie ganz nach Maastricht zog. Während der Kriegsjahre hielt er sich dort mit Passbildfotografie über Wasser. Nach dem Krieg führte sein Talent, jeden Menschen individuell abzulichten, dazu, dass sich Künstler, Intellektuelle und Berühmtheiten von ihm porträtieren ließen.

Die technische Perfektion, mit der Werner Mantz dieses Genre wie auch jedes andere fotografische Thema beherrschte, lässt seine Fotografie fast ein wenig unpersönlich wirken. Einen kleinen Makel wahrzunehmen, wäre, wie eine Spur zu entdecken zu dem Menschen, der hinter der Linse unsere Blicke lenkt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das perfekte Auge der Region