„Pique Dame“ in Düsseldorf: Genuss mit Mätzchen

„Pique Dame“ in Düsseldorf : Genuss mit Mätzchen

Nach Gounods „Roméo et Juliette“ stemmt die Deutsche Oper am Rhein mit Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ nach einer Erzählung von Alexander Puschkin eine weitere, mit geradezu emotionaler Explosivkraft aufgeladene Literatur-Oper.

Kapellmeister Aziz Shokhakimov streichelt Tschaikowskys geniale Partitur nicht gerade mit Samtpfötchen und raut den Klang mächtig auf. Nicht immer mit der nötigen Rücksicht auf die Sänger. Lediglich in den Szenen mit der geheimnisvollen Gräfin kommt er der legendären Hanna Schwarz entgegen, die mit ihrer Bühnenpräsenz mehr Hintergründigkeit ausstrahlt als manches Mätzchen der Regie.

Verlagerung nach Hollywood

Dass man mit den von den Librettisten vorgegebenen Spielorten lässig umgeht, gehört heute zum Opernalltag. Wenn ein Werk in jedem Takt, in jedem Bild soviel spezifisch russisches Kolorit ausstrahlt wie Tschaikowskys vielleicht bestes Bühnenwerk, ist eine Verlagerung der Handlung aus St. Petersburg ins Hollywood der 50er-Jahre wenig sinnvoll.

Zum Glück wirkt Tschaikowskys Musik so kraftvoll, dass der dramatische Gehalt nichts von seiner Wirkung einbüßt. Und die Sänger tun mit ihrem totalen Einsatz das Übrige. Dabei hat die Regisseurin durchaus den psychologischen Gehalt des Stücks erfasst und bringt das in etlichen Details schlüssig zum Ausdruck. So wird die Zerrissenheit des mittellosen Offiziers Hermann durchaus deutlich. Eines Mannes, der sich in die zunächst unerreichbare Lisa aus der Petersburger High Society verliebt und zunehmend von dem Drang erfüllt wird, der alten Gräfin das Geheimnis um drei angeblich unfehlbare Karten entreißen zu wollen, mit denen er die Spielbank sprengen könnte. Die ursprüngliche Intention, mit dem Geldsegen Lisa für sich gewinnen zu können, wird immer stärker von seiner wahnhaften Gier überlagert.

Zarin als Karikatur

All das wird in der Inszenierung spürbar. Aber man tummelt sich lieber an bunten Pools in den Bühnenbildern von Bärbl Hohmann als in den hehren Palästen St. Petersburgs. Die Zarin erscheint als Karikatur, die urrussisch gefärbten Volkslieder wirken aus den Mündern von Partygirls und Badenixen deplatziert, können aber musikalisch überzeugen.

Ohne Gäste kann selbst die Deutsche Oper am Rhein mit ihrem großen Ensemble ein so anspruchsvolles Werk nicht auf die Beine stellen. Zumindest nicht, wenn man die Hauptrollen doppelt besetzen will. In der Premiere kann sich Sergey Polyakov mit seinem konditionsstarken Tenor als Hermann fast mühelos durchsetzen.

Ähnlich stark füllt auch Elisabeth Strid die Rolle der Lisa aus. Kabinettstückchen in Sachen makelloser Stimmkultur bieten Maria Kataeva als Polina und Alexander Krasnov als Graf Tomski. Vorzüglich erfüllt der Chor der Rheinoper seine großen Aufgaben.

Zum Schluss gibt es begeisterten Beifall ohne den leisesten Protest gegen das Regie-Team. Die nächsten Aufführungen: 30. Mai, am 5., 9., 25. und 27. Juni sowie am 6., 11. und 14. Juli (Infos: www.rheinoper.de).

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