Glasmalerei-Museum in Linnich: Experimente mit Hitze und Papier

Glasmalerei-Museum in Linnich : Experimente mit Hitze und Papier

Wenn am Sonntag „Licht-Zeichen. Die Kunst von Johannes Schreiter“ im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich eröffnet wird, wirkt die Sonderausstellung gleichzeitig wie eine Klammer zwischen alter und neuer Museumsleitung.

Myriam Wierschowski hatte am Ende ihrer 13-jährigen Ära die Schreiter-Schau initiiert, mit deren Vorbereitung ihre Nachfolgerin Luzia Schlösser jetzt ihren Einstand gibt. Schlösser, gleichzeitig Leiterin des Burgenmuseums in Nideggen, das sie innerhalb von 15 Jahren an die Spitze der Besucherstatistik im Kreis Düren geführt hat, pendelt seit 1. Januar zwischen beiden Häusern. Dadurch bleibe sie nicht nur „geografisch in Bewegung, sondern auch geistig und kulturell“.

Bedeutender Kirchenfenstermaler

„Wir haben die Initialzündung gerne umgesetzt“, schaut Schlösser auf die Vorbereitung der Ausstellung, die viel Freude bereitet habe. Verbunden war das beispielsweise mit einem Besuch des 89-jährigen Künstlers, der im hessischen Langen lebt und als der bedeutendste Kirchenfenstermaler der Gegenwart gilt. Luzia Schlösser beschreibt den national wie international renommierten Lehrer seines Fachs als „geerdeten und bescheidenen Künstler“, der die Glasmalerei der Gegenwart – insbesondere die architekturgebundene – maßgeblich geprägt und weiterentwickelt hat. In die 1960er Jahre gehören die sogenannten Brandcollagen zu herausragenden Werken, mit denen  Schreiter Meilensteine in der Kunstgeschichte setzte. Der besondere Stil des organischen Brandmals, der auf Experimenten mit Hitze und Papier basiert, prägte das glasbildnerische Gesamtwerk und befruchtete es motivisch und thematisch.

Im Glasmalerei-Museum werden herausragende Glasbilder seit den 1960er Jahren bis 2017 in weitgehend chronologischer Hängung gezeigt sowie zahlreiche Entwürfe auf Karton, die für Kirchen im In- und Ausland umgesetzt worden sind. „Er kennt das Haus, er mag das Haus“, ist nach Worten der Museumsleiterin geplant, dass Johannes Schreiter und Ehefrau Barbara die Ausstellungseröffnung besuchen werden. An deren Anfang steht das Werk „Erste Begegnung“, das im Lyrikband der Gattin „Himmel auf zwei Beinen“ das gleichnamige Gedicht illustriert, das daneben im Großformat ebenfalls zu lesen ist.

Vielen Besuchern des Hauses ist Schreiters Wirken längst durch das prägende „Musikfenster“ bekannt, Anfang der 1980er Jahre entworfen für die Heiliggeist-Kirche Heidelberg. Zunächst als Leihgabe zu sehen, steht es dem Glasmalerei-Museum inzwischen als Schenkung zur Verfügung. Zur Sonderausstellung, die bis zum 27. Oktober zu sehen ist, und zum gesamten Lebenswerk  Schreiters hat Luzia Schlösser einen Katalog zusammengestellt. Zudem bietet das Museum zur Schreiter-Ausstellung ein Begleitprogramm mit Exkursionen und Vorträgen. Da der Künstler in jungen Jahren Geige spielte und die Kammermusik schätzt, wird der Barockgeiger Gunnar Letzbor aus Österreich die Ausstellungseröffnung musikalisch begleiten.

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