Ludwig Mies van der Rohe: Die Lehrjahre eines „Dichters“

Ludwig Mies van der Rohe : Die Lehrjahre eines „Dichters“

Eine neue Ausstellung im NAK sucht nach den Spuren Ludwig Mies van der Rohes in Aachen: „Mies im Westen“ ist eine Koproduktion von drei Hochschulen mit dem Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW, die die eher unbekannten Werke des Bauhaus-Architekten an seinen ehemaligen Wirkungsstätten aufarbeitet.

Meterlange rote Kunststoffrohre dringen aus einem Fenster der Galerie des Neuen Aachener Kunstvereins im Stadtgarten. Entlang der Fassade schlängeln sie sich nach unten, bis hinab zum Eingang. Sprachrohre sollen das sein, die Besucher nach drinnen rufen, erklärt Janina Hofius aus der Gruppe Studierender von der TH Köln, der TH Mittelhessen (Gießen) und der Alanus Hochschule (Alfter und Mannheim), die die Ausstellung „Mies im Westen“ konzipiert, bestückt, beworben und aufgebaut haben.

Die „Intervention“ vor der Galerie bezieht sich auf ein Zitat Ludwig Mies van der Rohes, sagt Hofius: „Architektur ist eine Sprache mit der Disziplin einer Grammatik. Man kann Sprache im Alltag als Prosa benutzen und wenn man sehr gut ist, kann man ein Dichter sein.“

Bevor Mies van der Rohe mit seiner Arbeit in Berlin und den USA als „Dichter“ bekannt wurde, ging er in seiner Geburtsstadt Aachen in die Lehre. „Mies im Westen“ ist eine Koproduktion der drei Hochschulen mit dem Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW, die die eher unbekannten Werke des Bauhaus-Architekten an seinen ehemaligen Wirkungsstätten Aachen, Krefeld und Essen in drei Teilausstellungen aufarbeitet.

„Van der Rohes NRW-Projekte sind bislang in der Forschung etwas stiefmütterlich behandelt worden“, sagt Daniel Lohmann von der TH Köln. Gemeinsam mit Norbert Hanenberg von der TH Mittelhessen kuratiert er die Ausstellungen. Die gemeinsame Forschung der vergangenen Jahre biete Potenzial für viele unentdeckte Geschichten.

Zu deren Aufbereitung haben rund 200 Studenten über anderthalb Jahre Pläne, Zeichnungen und Fotos aus der Zeit um 1904 analysiert, zu der Mies van der Rohe für den Aachener Architekten Albert Schneiders arbeitete. Details in Plänen für das in den 60er Jahren abgerissene Warenhaus Tietz am Markt und das Volkshaus „Zur neuen Welt“ an der Alexanderstraße weisen darauf hin, dass Mies van der Rohe bei deren Gestaltung „maßgeblich die Finger im Spiel hatte“, sagt Lohmann. Mithilfe von Archivmaterial haben die Architekturstudenten Modelle und Zeichnungen zu existierenden, abgerissenen und nie realisierten Gebäude und deren Umgebung erarbeitet.

Ein Teil der Ausstellung zeigt einen Entwurf des Vegla-Hauses. Es hätte Aachens Mies-van-der-Rohe-Bau aus seiner „Dichterzeit“ werden können – wäre er nicht 1969 vor der Erbauung gestorben.

„Mies im Westen“ im NAK, Passstraße 29, bis 16 Juni, Dienstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr. Eröffnung Samstag, 11. Mai, 19 Uhr.

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