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Zwei Ausstellungen zu Josef und Anni Albers: Augen auf für Natur, Kultur, Form, Farbe!

Zwei Ausstellungen zu Josef und Anni Albers : Augen auf für Natur, Kultur, Form, Farbe!

Zwei spannende Ausstellungen in Bottrop und in Den Haag zeigen umfassende Retrospektiven zum Bauhaus-Künstlerpaar Josef und Anni Albers.

Lieber nach Den Haag oder nach Bottrop? Ansich dürfte für eine Stadttour die Antwort nicht schwerfallen. Aber wer den Maler Josef Albers mag, kann derzeit auch getrost nach Bottrop fahren. Denn in beiden Städten gibt es interessante Ausstellungen über den Maler-Pionier des 20. Jahrhhunderts Josef Albers und seine Frau Anni Albers.

Mit der Sonderausstellung „Josef Albers. Huldigung an das Quadrat“ wird der neue Erweiterungsbau des Museums in Bottrop offiziell eröffnet. Auf 1400 Quadratmetern wird die umfangreiche Arbeit des 1888 in Bottrop geborenen Malers und Kunsttheoretikers in der „Josef-Albers-Galerie“ gewürdigt.

Die Ausstellung zeigt zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus internationalen Museen – zum Beispiel dem Metropolitan Museum und dem Whitney Museum in New York oder dem Kunstmuseum Bern. Der 1976 in New Haven (Connecticut/USA) gestorbene Josef Albers gilt als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind rund 100 künstlerisch herausragende Beispiele seiner Serie „Huldigung an das Quadrat“ („Homage to the Square“) in acht Ausstellungskapiteln.

 Ein Besucher steht im Kunstmuseum Den Haag vor dem Werk "4 central warm colors surrounded by 2 blues" (1948) von Josef Albers. Foto: dpa
Ein Besucher steht im Kunstmuseum Den Haag vor dem Werk "4 central warm colors surrounded by 2 blues" (1948) von Josef Albers. Foto: dpa

Ergänzt wird die Auswahl durch bedeutende Werke von Giorgio Morandi, Ad Reinhardt und Donald Judd – allesamt Künstler, die mit ihrem Werk eng mit dem von Albers verbunden sind. Das Essener Museum Folkwang verleiht mit Paul Cézannes „Der Steinbruch Bibémus“ eines seiner Hauptwerke für die Dauer der Ausstellung.

Die neu gestaltete Dauerausstellung mit Albers-Werken ist im 1983 eröffneten Museumsgebäude zu sehen. Sie wird parallel zur
Sonderausstellung gezeigt und widmet sich im Besonderen Albers‘ Arbeit am Bauhaus, seiner Begegnung mit der Präkolumbischen Kunst Mexikos und seinem berühmten Farbkurs, den er als Lehrer in den USA entwickelte.

Das Kunstmuseum Den Haag setzt mit einer großen Retrospektive einen etwas anderen Schwerpunkt und rückt auch die Bedeutung der Ehefrau Anni Albers ins richtige Licht. Wie sich das deutsch-amerikanische Paar als Künstlerpaar entwickelte, ist der Fokus der Ausstellung im Denn das Werk und Leben des Künstlerehepaares Anni und Josef Albers. „Sie waren Pioniere der Moderne im 20. Jahrhundert“, sagte die Konservatorin Frouke van Dijke.

Mehr als 200 Werke der Bauhaus-Künstler sind zu sehen, Textil, Bilder, Grafiken, Fotos und Möbel. Sie geben einen Eindruck vom Leben und der künstlerischen Entwicklung des Paares. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Josef and Anni Albers Foundation aus den USA.

Anni und Josef Albers hatten sich am Bauhaus 1922 kenngelernt. Anni (1899-1994) wollte eigentlich Malerin werden, wurde aber zum Webstuhl gedrängt. Er wurde ihre Leidenschaft. Sie experimentierte mit verschiedensten Fasern wie Wolle, Lurex und auch synthetischen Stoffen wie Zellophan und wurde die wichtigste Textilkünstlerin des 20. Jahrhunderts.

Josef Albers (1888-1976) war zunächst ein Allround-Künstler. Er machte Glaskunstwerke, malte, aber entwarf auch Möbel. Trotz der unterschiedlichen Materialien und Techniken zeigten beide schon früh eine „große stilistische Verwandtschaft“, sagte die Konservatorin. Sie waren beide fasziniert von geometrischen Formen, dem Abstrakten und harmonischen Farben.

Das Paar emigrierte 1933 nach der Machtergreifung Hitlers in die USA und unterrichtete dort am progressiven College Black Mountain in North Carolina. Sie wollten, wie sie sagten, jungen Leuten „die Augen öffnen“ für Natur, Kultur, Form und Farbe.

Von dort aus machten sie zahlreiche Reisen nach Südamerika und ließen sich von den alten Kulturen des Kontinents inspirieren. Anni lernte die Tausende Jahre alten Webtechniken, verband sie aber mit modernen abstrakten Formen für ihre textilen Bilder.