Ausstellung in Hürtgenwald: Als Marlene Dietrich am Westwall war

Ausstellung in Hürtgenwald : Als Marlene Dietrich am Westwall war

1930 zog Marlene Dietrich in die USA, wurde 1939 US-Bürgerin. Als solche unterstützte sie die US-Truppen im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland und engagierte sich in der Truppenbetreuung. Bei ihren Besuchen an der Front kam sie auch nach Hürtgenwald.

Marlene Dietrich war Sängerin, Schauspielerin, Diva. Die Rolle der lasziven Lola in „Der Blaue Engel“ machte sie berühmt, Lieder wie „Sag mir wo die Blumen sind“ und „Lili Marleen“ können auch heute noch viele Menschen mitsingen. Marlene Dietrich war aber auch politisch. Die Nationalsozialisten, die sie für ihre Propaganda einspannen wollten, verachtete die Dietrich, sie war schon 1930 in die USA gezogen und wurde 1939 US-Bürgerin. Und als solche unterstützte sie die US-Truppen im Kampf gegen Adolf Hitler. Sie half deutschen Flüchtlingen im Exil, machte in den USA Werbung für den Kauf von Kriegsanleihen.

1944 und 45 engagierte sie sich in der Truppenbetreuung direkt hinter der Kriegsfront. Sie besuchte Verwundete in Lazaretten und sang für die GIs, sie wollte die Soldaten unterhalten und ablenken.

Marlene Dietrich zu Besuch in Hürtgenwald und Aachen

Ihr Weg zu den Soldaten führte die Diva im Herbst und Winter 1944/45 auch in das deutsch-belgisch-niederländische Grenzland, im Hürtgenwald – ganz in der Nähe – gab es zu dieser Zeit erbitterte Kämpfe. Fotos von ihr in Uniform ebenso wie in glitzernden Kleidern umringt von Soldaten gibt es. Die historischen Aufnahmen zeigen sie im zerstörten aber befreiten Aachen, posierend auf der Höckerlinie bei Stolberg und bei einem Auftritt in der dortigen Schauburg. Sie stand in Eupen, Heerlen und Roetgen vor amerikanischen Soldaten auf kleinen Bühnen.

Genau diese Bilder, dieses Spannungsfeld zwischen schillernder Diva, Sexsymbol, Stilikone und einer Frau, die sich klar gegen das Dritte Reich positioniert und nicht nur aus der Ferne spricht, sondern sich vor Ort engagiert, sind Gegenstand der Wanderausstellung „Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.“, die ab Freitag in Simonskall in der Gemeinde Hürtgenwald zu sehen ist. Die lokale Kulturinitiative „Höhenart“ hat die von der Gedenkhalle Oberhausen entwickelte Wanderausstellung gemeinsam mit dem Verein Rureifel Tourismus für sechs Wochen in die Eifel geholt, um ein unbekanntes Stück Geschichte zu erzählen.

Sie galt als Vaterlandsverräterin

Neben vielen Fotografien zeigen Dokumente wie Briefe welche Haltung Marlene Dietrich hatte. Die Ausstellung ist gepaart mit einem Katalog, der umfangreiche biografische Informationen enthält (20 Euro).

Marlene Dietrich vor der Höckerlinie: Diese Bild ist vermutlich in der Nähe von Stolberg entstanden. Foto: Deutsche Kinemathek – Marlene Dietrich Collection Berlin

Wer an die Hollywoodgröße denkt, hört die rauchige Stimme, sieht die schillernde und gefeierte Diva – dabei gerät fast in Vergessenheit, dass sie wegen ihrer klaren Positionierung im Zweiten Weltkrieg bei ihrer Deutschlandtour in den 60er Jahren von vielen Deutschen als Vaterlandsverräterin verachtet wurde – sogar mit Eiern wurde sie bei dieser Tour beworfen. In den USA hingegen wurde sie wegen ihrer bedingungslosen Solidarität mit den kämpfenden „Boys“ und der Gefahr, der sie sich selbst ausgesetzt hat, geehrt.

Die „Zeit“ analysierte das Verhältnis der Deutschen mit Marlene Dietrich mal so: „Und so liegt das Problem der Deutschen im Umgang mit Marlene Dietrich darin, dass Marlene ein Vorbild sein könnte, für ihre Landsleute aber vor allem deren Versagen während der Nazizeit widerspiegelte: Sie war das glamouröse Gegenteil von Mitläufertum.“

Weitere Informationen zu der Ausstellung unter www.rureifel-tourismus.de/marlene-dietrich.

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