Aachen: Kunst- und Kulturzentrum 2018 mit hochkarätigen Fotoausstellungen

Aachen: Kunst- und Kulturzentrum 2018 mit hochkarätigen Fotoausstellungen

150 Ausstellungen und Veranstaltungen in 15 Jahren, 2017 bereits gut 31.000 Besucher — diese stolze Bilanz zog am Donnerstag Nina Mika-Helfmeier, Leiterin des Monschauer Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen (KuK). Gemeinsam mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg stellte sie das Programm für 2018 vor.

Und das hat es wieder einmal in sich — fünf hochkarätige Fotoausstellungen sind zu erwarten, darunter eine Deutschlandpremiere, eine thematische Schau im Vorfeld zum 30-Jährigen des Mauerfalls, der berühmte Name Henri Cartier-Bresson und ein ambitioniertes Projekt mit Bilder-Essays zum Lebensalltag junger Menschen in Europa.

Ihren Namen verbindet man mit Filmen wie „King Kong“, „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ oder „Tootsie“. Wer weiß aber schon, dass Jessica Lange Kunstfotografie an der University of Minnesota studiert hatte, ehe sie nach Paris ging, um Schauspielerin zu werden?

Zwei Oscars, haufenweise Emmys und Golden Globe Awards — all das überstrahlt ihr meisterliches fotografisches Schaffen und Können. Daran erinnerte sie sich zum Glück, als ihr Mann, der Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Sam Shepard, ihr in den 90er Jahren eine Leica schenkte. Damit blühte ihre ursprüngliche Profession wieder auf.

Das KuK startet in die Saison mit einer Jessica-Lange-Retrospektive als Deutschlandpremiere: Aufnahmen, die in zwei Jahrzehnten entstanden sind. Schauplätze ihrer Motive sind Länder wie Finnland, Russland und Italien, ihre Heimatstadt Minnesota und Big Apple. In einer zweiten Serie steht Mexiko im Mittelpunkt. „Sie richtet ihr Augenmerk auf Details, die Durchreisende übersehen würden“, erklärt Nina Mika-Helfmeier.

Das Zusammenleben und den Arbeitsalltag der Menschen zwischen 1960 und 1988 in der DDR dokumentiert die Ausstellung „Bilder aus einem vergangenen Land. Ostdeutsche Fotografie“. Damit begegnen dem Publikum vor allem auch Fotografen, die eben nicht das offizielle Bild der DDR propagierten, in dem Armut, Krankheit und Behinderung nicht vorkamen. Fotografen wie Bernd Heyden fingen den Alltag der kleinen Leute in Berlin ein — Straßenkehrer, Fleischer, Schornsteinfeger.

Ein großes Thema nahm sich Henri Cartier-Bresson (1908-2004), Mitgründer der berühmten Pariser Agentur Magnum, vor, als er begann, einen Bildband „Les Européens“ zu kreieren. Nach fünf Jahren Arbeit erschien das Buch im Jahr 1955. Ein dichtes Porträt Europa vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war entstanden.

Auch später bereiste er den alten Kontinent immer wieder — viele seiner Aufnahmen sind Ikonen der Fotografiegeschichte geworden. Die große Magnum-Ausstellung „Europäer“ versammelt über 150 Aufnahmen, die zwischen den Jahren 1932 und 1989 entstanden sind.

Und was eint Europa heute? Was unterscheidet die Länder? Und die jungen Menschen mit ihren Erwartungen an Europa? Das Ausstellungsprojekt „Pulsschlag Eu-ropa“ junger Fotografen der Mag-num-Schule setzt Cartier-Bressons Anliegen in die Jetztzeit fort — eine Studie über Europäer, die alle um die 20 Jahre alt sind. Gleichzeitig setzen sich Studierende der RWTH Aachen mit Schülern in Workshops zusammen, um mit ihnen ihre Erwartungen an das „Modell Europa“ zu diskutieren.

Emotionale, romantische Momente wie der Abschiedskuss des deutschen Marinesoldaten von seiner amerikanischen Freundin in Norfolk, aber auch denkwürdige Augenblicke wie der Spaziergang Martin Luther Kings mit der Familie kurz vor seiner Ermordung: All das „erwischte“ der deutsche Bildjournalist Max Scheler mit sicherem Blick für das ganz Besondere auf seinen vielen Reisen in Deutschland, China und den USA. Sein Hauptthema waren möglichst authentische menschliche Verhaltensweisen und Emotionen. Die Schau mit 151 seiner Arbeiten beschließen die Saison 2018 im KuK.

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