1. Kultur

Krefeld: Kunst mit Falten: Motivsuche nach Knicks und Kunst-Kniffen

Krefeld : Kunst mit Falten: Motivsuche nach Knicks und Kunst-Kniffen

Bei den Gewändern antiker Skulpturen, den Mänteln mittelalterlicher Madonnen oder den fließenden Stoffen barocker Bildnisse sind Falten ein gängiges Motiv.

Den Faltungen in der Gegenwartskunst spürt von Sonntag, 2. März, (bis 25. Mai) eine umfangreiche Ausstellung in den Krefelder Kunstmuseen nach. Gezeigt werden Arbeiten, die seit den 1960er Jahren entstanden sind. Von Richard Serra bis Rachel Whiteread reicht die Palette der Objekte, die durch Knicken, Falten oder Drehen eine überraschende Räumlichkeit gewinnen. Die meist mit einfachsten Mitteln wie Pappe, Stoff oder Papier realisierten Werke erhalten zudem oft den Charakter geometrisch geordneter Architekturen oder Stadtsilhouetten.

Als erfrischend intelligente Suche nach den Kunst-Kniffen vor allem einer jüngeren Künstlergeneration präsentiert sich die an zwei Ausstellungsorten gezeigte Krefelder Schau „Der große Wurf”. Die britische Turner-Preisträgerin Whiteread postiert ein Dutzend in Gips gegossene Pappkarton-Negativformen, die im Foyer der klassischen Krefelder Bauhaus-Villa Haus Lange einen überzeugenden Dialog zur klaren Architektur Mies van der Rohes beginnen. Spielerisch augenzwinkernd dagegen das frühe Projekt „verpackter” Gartenwege, das Christo 1971 als „Wrapped Walk Ways” genau für den Park dieser Villa konzipiert hat.

Der Pole Michal Budny dekliniert in winzigen kristallinen Skulpturen wie in einer raumfüllend kantigen Installation das Vokabular des Konstruktivismus. Die Koreanerin Haegue Yang fotografiert 15 witzige Variationen eines Falt-Wäscheständers, der plötzlich zum flügelschlagenden mechanischen Fabelwesen wird.

US-Popstar John Chamberlain knüllt einmal mehr Auto-Blechteile zur chaotischen Skulptur „Dandy Dan D” (1963), während Richard Serra eine dünne Bleiplatte kreuzweise als plattes Bodenstück „Folded/Unfolded” kniffelt. Einen ganzen Museumssaal füllt Olaf Holzapfel mit seiner flüchtigen Architektur aus zwei zu hohen „Wänden” verschnürten Papp- Platten. Die Polin Monika Sosnowska, Vertreterin ihres Landes auf der letzten Venedig-Biennale, hängt einen Vorhang aus breiten, schwarzen Gummistreifen diagonal durch einen Ausstellungsraum, schafft damit Distanz und Neugierde zugleich.

Ein Herz für Krefeld beweist der „Altstar” textiler Prozesskunst Franz Erhard Walter, dessen subtiles „Großes Buch” (1962) aus 52 unterschiedlich bearbeiteten großen Papierblättern aus der Sammlung Lauffs das städtische Museum demnächst auf immer verlässt. Wenn die Krefelder Sammlerin Helga Lauffs ihren reichen Kunstbesitz in Kürze abzieht, überlässt Walter dem gebeutelten Haus eine gezeichnete Variante seines „Großen Buches” als Geschenk.