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Herzogenrath: Kulturfestival: Meret Becker ganz entspannt

Herzogenrath : Kulturfestival: Meret Becker ganz entspannt

Ihre Säge singt immer noch so schön. Schon 1992 hat Meret Becker mit diesem selten gehörten Instrument verzaubert, damals als Schauspielerin in der Komödie „Kleine Haie“. Und jetzt erneut als Sängerin, bei einem ganz leisen und gerade deshalb schillernden Auftritt im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen.

Die Welt von Meret Becker liegt irgendwo zwischen Varieté, Country-Bar und Jazzkneipe. Und vor allem Zirkuszelt, denn die Manege liebt die Kindfrau mit der kessen Berliner Schnauze besonders. Dieses Faible ließ sie in beinahe jedem ihrer charmant-schrägen Songs und bei der Bühnendekoration erkennen.

Gut 250 Zuhörer konnten bei dem Abend in der Herzogenrather Gesamtschule eine herrlich entspannte Show genießen, die Meret Becker vornehmlich mit dem Gitarristen Buddy Sacher bestritt. Zwar gab es auf der Bühne auch ein Schlagzeug, doch das war eher ein Hauch im musikalischen Spektrum, ebenso wie die zwei Backgroundsänger.

Im Kern des Ganzen stand Beckers Stimme, die womöglich nicht die kraftvollste der ganzen Welt ist, doch vor allem in den stilleren Momenten eine völlig eigene Sogkraft entwickelte. Geflüsterte Worte und geraunzte Zeilen wechselten sich ab mit herrlich skurrilen Moderationen, Anekdoten und Plaudereien mit dem Publikum. Und dann erst die „Instrumente“: Neben der singenden Säge nahm Meret Becker Spieluhren zur Hand, Plastiktröten und zahlreiche andere Kuriositäten, denen sie verblüffenderweise ganz kostbar klingende Töne entlockte.

Wer mit solchem instrumentalen Schnickschnack zutiefst zu Herzen gehende Songs hinbekommt, der hat den Bogen wirklich raus. Coversongs des färöischen Liedermachers Teitur, „For no one“ von den Beatles oder Tom Waits’ „Lullaby“ — gespielt mit feuchter Fingerkuppe auf dem Rande eines überdimensionalen Cognac-Schwenkers — passten hervorragend in die weitläufigen Klanglandschaften der Meret Becker. Landschaften, in denen sie tanzte, ohne sich dabei groß zu bewegen. Für all das gab es am Ende kräftigen Applaus. Verdientermaßen.