Aachen: Kulturfestival der Städteregion: Selbst Hitchcock lässt diesmal grüßen

Aachen: Kulturfestival der Städteregion: Selbst Hitchcock lässt diesmal grüßen

„Die Region besser kennenlernen, Menschen begegnen“ — auch das sind für Städteregionsrat Helmut Etschenberg gute Gründe, das „Kulturfestival X“ der Städteregion Aachen (8. Mai bis 3. Juli) dringend zu besuchen.

Am Donnerstag stellte er zusammen mit der künstlerischen Leiterin, Nina Mika-Helfmeier, das Programm der Presse vor. „Die Mission heißt: Lust machen!“, erklärt Etschenberg, so kurz wie prägnant. Und das mag sich auf die zum Teil etwas ungewöhnlichen Veranstaltungsorte genauso beziehen wie auf die keineswegs immer arrivierten beteiligten Gäste.

Aber exakt das ist so gewollt: „Wir mischen bekannte Künstler mit entwicklungsreichen jungen Talenten“, sagt Nina Mika-Helfmeier, die bei der Städteregion nicht nur das Amt für Kultur und Empirische Forschung bekleidet, sondern auch noch das Kunst- und Kulturzentrum (KuK) in Monschau leitet.

Genau dort findet ein Highlight der zehn Programmpunkte an zehn verschiedenen Standorten in der Städteregion statt (deshalb das „X“): die Foto-Ausstellung „The Photographers“. Die einmalige Präsentation in insgesamt elf Räumen versammelt ab dem 14. Juni 120 Werke von so berühmten Fotografen wie Helmut Newton, Anton Corbijn, Hermann Landshoff, Josef Breitenbach, und wie sie alle heißen. Corbijn steuert zum Beispiel seine Porträts der Band Kraftwerk bei, Derek Ridgers solche von Keith Richards und Konsorten.

Bildende und darstellende Kunst werden munter gemixt. Um bei der Musik zu bleiben: The Notwist geben am 19. Juni ein Konzert im Zinkhütter Hof in Stolberg. Die Independant-Band aus Oberbayern entwickelte einen ganz eigenen Sound aus elektronische Elementen und Gitarrenklängen mit symphonischer Untermalung. Ihr Album „Neon Golden“ landete 2002 auf Platz zehn der deutschen Charts und erhielt den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik.

Die Evangelische Kirche in Roetgen dürfte indessen in ihren Grundfesten erzittern, wenn hier Alexander Glöggler und Philipp Jungk am 26. Juni loslegen. Die beiden Multi-Percussionisten sind als wahre Trommel-Akrobaten als „Double Drums“ in der Lage, selbst Trittleitern aus Aluminium und Plastikbottichen ein ohrenbetäubendes Klangfeuerwerk zu entlocken. Der Auftritt des weltweit gefeierten Schlag-Duos wird in die Annalen der 1779 bis 1782 errichteten barocken Saalkirche eingehen.

Das buchstäbliche Gegenteil prägt den Abend mit Roger Willemsen und Isabelle Faust in der Katholischen Kirche Lammersorf: Der Autor und die Geigerin widmen sich nämlich dem Thema „Stille“. Zarte Töne und eingehende Wort — hier wird niemand Ohrstöpsel brauchen.

Zu den bekannteren Gesichtern gehört zweifelsohne der Schauspieler Matthias Brandt, der mit dem Sänger und Pianisten Jens Thomas im Alsdorfer Energeticon am 12. Juni für gruselige Momente sorgen wird: bei einer musikalischen Lesungs-Improvisation zu Alfred Hitchcocks „Psycho“-Thriller.

Kein Unbekannter ist auch der Kabarettist und Autor Mathias Richling, der am 6. Juni im Gymnasium Baesweiler über typisch deutsche Eigenheiten spotten wird und seine Vorstellungen zum Besten gibt, wie die Nation auch ganz anders aussehen könnte.

Den Auftakt besorgen am 8. Mai in der Dreieinigkeitskirche Eschweiler Muttis Kinder. Das Rostocker Trio — Claudia Graue, Marcus Melzwig und Christopher Nel — mit dem putzigen Namen verzaubert bekannte Songs wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Hallelujah“ allein mit ihren Stimmen zu einem Klangwunder, wie man es noch nie gehört hat. In Simmerath im letzten Jahr wurden die drei vom Publikum frenetisch gefeiert.

Dies alles und noch viel mehr ist jeweils zu erleben für den allenfalls als symbolisch zu verstehenden Spottpreis von 3,50 Euro. Der Vorverkauf beginnt am Freitag.