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Aachen: Kulturdezernentin hat Verständnis für Esterhazys Reaktion

Aachen : Kulturdezernentin hat Verständnis für Esterhazys Reaktion

Am Theater Aachen läuft eine kurze Ära schon wieder aus, nachdem Intendant Paul Esterhazy ankündigen ließ, dass er seinen Vertrag nicht zu verlängern gedenke.

Wir erreichten am Donnerstag Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die die Vertragsverhandlungen mit Esterhazy geführt hatte, telefonisch im Zug auf ihrem Weg zu einem Kongress in Leipzig.

Indiskretionen und veröffentlichte Details aus laufenden Verhandlungen haben Paul Esterhazy bewogen, seinen Vertrag in Aachen nicht zu verlängern. Was ist Ihre Stellungnahme dazu?

Pfeiffer-Poensgen: Ich bedaure das außerordentlich, weil ich glaube, dass das Theater wirklich einen künstlerischen Aufschwung genommen hatte. Ich hätte gerne dem Haus die Chance eingeräumt, diese Arbeit fortzusetzen, zumal das Publikum sehr positiv reagiert hat.

Besonders erfreulich fand ich in den letzen zwei Jahren, dass so unglaublich viele junge Leute ins Theater gehen. Deshalb hatte ich alles daran gesetzt, eine Kontinuität zu ermöglichen.

Können Sie Herrn Esterhazys Reaktion verstehen?

Pfeiffer-Poensgen: Ja, ich kann und muss ihn verstehen, dass er sich hier nicht einfach die Ehre abschneiden lassen möchte. Er ist in ein Licht gestellt worden, das wirklich nicht berechtigt war.

Der vorgelegte Vertrag ist bei verschiedenen Politikern auf starke Kritik gestoßen.

Pfeiffer-Poensgen: Wir haben in einem sehr ordentlich geführten Verfahren einen Vertragsentwurf vorgelegt, den wir auf Wunsch der Fraktionen dann noch einmal in bestimmten Punkten überarbeitet haben.

Diesen Entwurf haben wir natürlich auch mit unserem Arbeitgeberverband abgestimmt, dem Deutsche Bühnenverein. Er hat den Vertrag für außerordentlich ausgewogen befunden und sehr gut formuliert. Man hat uns sogar gefragt, ob wir ihn nicht als Muster zur Verfügung stellen können.

Vertreter von SPD, FDP und Grünen wollten Herrn Esterhazy kein vozeitiges Kündigungsrecht in Verbindung mit einer Abfindung einräumen.

Pfeiffer-Poensgen: Es ist üblich in diesen Verträgen, dass man positive Aussagen darüber trifft, wie der Etat des Hauses für die Arbeitszeit des Intendanten aussieht, denn er muss ja wissen, womit er planen kann. Das haben wir bewusst nicht getan, weil wir meinten, dass die Stadt in der augenblicklich schwierigen Situation keine solch konkreten Angaben machen kann.

Also haben wir nach Lösungen gesucht, die zumindest einen gewissen Hinweis darauf geben, wie es mit diesem Theater weitergeht. Aber es gibt halt einige wenige - das muss man deutlich sagen -, die aus dem Untergrund versuchen, das zu torpedieren, und es ja leider auch geschafft haben, während die große Mehrheit gesagt hat, sie trage es mit.

Sind die Aussagen und Festlegungen zur Zukunft des Theaters jetzt erledigt?

Pfeiffer-Poensgen: Keineswegs. Wir werden nicht umhin können, auch bei dem künftigen Engagement von Menschen, die das Theater führen sollen, klare Aussagen zu treffen, womit sie arbeiten können. Sollte sich das Ganze dann wiederholen, wird es sehr schwierig sein, noch einmal eine qualifizierte Persönlichkeit nach Aachen zu holen, denn so etwas spricht sich herum.

Sie haben den Vertrag ausgehandelt und sehr viel Arbeit investiert. Empfinden Sie das Ergebnis auch als eine persönliche Niederlage?

Pfeiffer-Poensgen: Für mich steht absolut die Sache im Vordergrund. Ich bin davon überzeugt, dass das Theater in unserer heutigen Zeit ein Ort ist, der unheimlich wichtig ist als Gegengewicht zu der Leere in vielen Lebensbereichen.

Natürlich empfinde ich auch eine große Enttäuschung, weil für mich viel Arbeit über fünf Jahre hinweg in Frage steht. Aber ob das für mich persönlich eine Niederlage ist, darüber habe ich fast nicht nachgedacht. Man muss selbst wissen, welches Ziel man verfolgt.

Sehen Sie noch Chancen, das Sie Ihre Ziele in Aachen durchsetzen können?

Pfeiffer-Poensgen: Natürlich ist es sehr schwer, aber ich kann nur hoffen, dass die Aufrechten im Stadtrat, die solche anonymen In-trigen ablehnen, zusammenstehen und sagen, so etwas wollen wir nicht noch einmal erleben.

Wie geht es jetzt weiter?

Pfeiffer-Poensgen: Wir haben den Punkt für kommenden Dienstag auf die Tagesordnung der Kulturausschusssitzung gesetzt. Bis dahin werden wir von seiten der Verwaltung einen Vorschlag über das weitere Verfahren zur Findung eines Intendanten vorlegen.