Aachen/Monschau: KuK Monschau: Hochkarätiges Foto-Ausstellungsprogramm vorgestellt

Aachen/Monschau: KuK Monschau: Hochkarätiges Foto-Ausstellungsprogramm vorgestellt

95 Prozent der Besucher des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau sind begeistert vom Schwerpunkt des Hauses: Fotografie. 70 Prozent geben an, immer wieder zu kommen, 25 Prozent zu jeder neuen Schau.

Das hatte eine Umfrage unter den KuK-Gästen ergeben, deren Ergebnisse KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier und Städteregionsrat Helmut Etschenberg jetzt bei der Vorstellung des Ausstellungsprogramms 2017 mitteilten. Danach stammt das Publikum nicht nur aus der Städteregion und Metropolen wie Köln und Düsseldorf, sondern auch in reichlichem Maße aus Berlin, Frankfurt, den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich. Für die KuK-Chefin hörbar ein ganz besonderer Anspruch, um für 2017 ein außerordentlich spannendes Programm zusammenzustellen. „Ein Jahr lang haben wir hart dafür gearbeitet“, sagt sie.

Zum Auftakt eine Entdeckung

Und es hat sich gelohnt: Monschau ist — wie berichtet — die einzige deutsche Station der 2014 in Chicago eröffneten Ausstellung „Sandro Miller — Malkovich“, bei der Hollywoodschauspieler John Malkovich und Fotograf Miller Kultbilder der Fotografiegeschichte nachstellen.

Aber davor geht es zum Auftakt los mit einer echten Entdeckung: 122 Arbeiten von Herbert List (1903-1975) — unter anderem phänomenale Aufnahmen aus den 20er und 30er Jahren. Wie kaum ein Zweiter verwischte der gebürtige Hamburger die Grenzen zwischen den Genres. So erscheinen Architektur-Aufnahmen wie komponierte Stillleben und surreale Kompositionen zugleich.

Die erlesene Foto-Sammlung der Spanierin Lola Garrido ist gespickt mit berühmten Namen: Cindy Sherman, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Man Ray, Robert Mapplethorpe, und wie sie alle heißen. 91 Originalaufnahmen dokumentieren in der dritten Schau echte Fotografiegeschichte.

Der in New York geborene, heute in Paris lebende Magnum-Fotograf Richard Kalvar, zeitweise selbst Präsident der berühmten Agentur, erzählt mit seinen Aufnahmen Alltagsgeschichten. Sie wirken wie zufällig auf der Straße, irgendwo in der Stadt entstanden — und weiten sich zu wahren Dramen aus. Da stolpert ein völlig nackter Mann unbeholfen über die Brooklyn Bridge. Nur: warum? Oder ein junger Mann lehnt an einer Haustür und starrt missmutig auf einen Regenschirm, der neben ihm hängt. Wieso? Spricht der Mensch etwa mit dem Parapluie? „Ein Spiel zwischen Wirklichkeit und Imagination“, befindet Nina Mika-Helfmeier.

Mit „Schnee von gestern“ endet der Reigen — wobei der Titel allerdings keineswegs alten Kram sig-nalisiert, im Gegenteil: Zum Jahresschluss gibt es noch ein extra fürs KuK entwickeltes, einmaliges Experiment. Der Bildhauer und Professor für Skulptur Thomas Rentmeister und der deutsch-norwegische Filmemacher und Medienkünstler BjØrn Melhus stellen gemeinsam aufeinander bezogene Werke aus.

Die widmen sich dem Schnee — in jeder Form: Sei es dem „Fernsehschnee“, dem weißen Rauschen auf alten Röhrenbildschirmen, dem realen Schnee, sofern der in Monschau zur Weihnachtszeit noch mal vorkommt, oder weißer Weihnacht und dem Jahreswechsel. Während Rentmeister Skulpturen präsentiert, sind es bei Melhus filmische Inszenierungen. „Dabei wird der Aspekt des Wandels, der Veränderung auf unterschiedlichen Ebenen thematisiert“, erklärt die KuK-Leiterin. Und damit strebt sie wieder eine Besucherzahl von 35.000 an wie 2015. 2016 werden es 29.000, weil es nur vier Ausstellungen gab — aber das ist doch auch beachtlich!