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Aachen: Kritischer Zwischenruf aus Ostdeutschland

Aachen : Kritischer Zwischenruf aus Ostdeutschland

Die schöne Tradition, das neue Jahr mit Beethovens neunter Sinfonie einzuläuten, setzen Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch und das Sinfonieorchester Aachen am 1. Januar, 18 Uhr, im Eurogress fort.

Ebenfalls zum vierten Male wird ein zeitkritischer „Zwischenruf” zu vernehmen sein, diesmal von dem renommierten evangelischen Theologen und Philosophen Richard Schröder, vormals auch SPD-Abgeordneter und seit 2001 Mitglied des Nationalen Ethikrates.

Der aus Sachsen stammende 62-jährige Professor, der in Berlin und Aachens Partnerstadt Naumburg Philosophie lehrt, sei „15 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung”, so Oberbürgermeister Jürgen Linden, besonders prädestiniert, „Aussagen zur deutschen Befindlichkeit” zu treffen.

Auch Aachens Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck lobte den kritischen „Zeitbeobachter” Schröder, der sich für „den Prozess des Zusammenwachsens” nicht nur interessiert, sondern auch tatkräftig eingesetzt habe. Anderswo gebe es zwar ebenfalls Neujahrskonzerte, aber nicht den „Zwischenruf”, der aktuelle Fragen zum Zeitgeschehen stelle.

Theater-Pressesprecher Christopher Braun verwies auf die „wenigen Restkarten” für das beliebte Neujahrskonzert. Etwas „Beeilung” sei jetzt wohl notwendig, um das gewaltige Werk am Sonntag im Eurogress genießen zu können.

Nach drei Sätzen

In seiner neunten Sinfonie folgt Beethoven wieder der in der fünften entwickelten Dramaturgie „durch Dunkel zum Licht”. Sie führt von d-Moll zum D-Dur von „Freude, schöner Götterfunken”. Im Übrigen war Aachen 1825 die erste Anlaufstation für „die Neunte” nach der Wiener Uraufführung (1824) im Kärntnertor-Theater.

Der Opernchor Theater Aachen und das Sinfonieorchester Aachen werden unterstützt durch die Gesangssolisten Irina Popova, Mélanie Forgeron, Michael Ende und Wong-jo Choi. Nach drei Sätzen wird Richard Schröders „Zwischenruf” zu hören sein, danach die „Ode an die Freude”, inzwischen zur gesamteuropäischen Hymne geworden und zum klangvollen Ausdruck von grenzüberschreitendem Humanismus.

„Alle Menschen werden Brüder” heißt es in Schillers Ode jubelnd, was ja wiederum, so Christopher Braun, wunderbar zu Schröders Thema „Brüderlichkeit” passe. Im Anschluss an das Konzert findet ein Neujahrsempfang statt. Karten: Siehe Hinweis oben rechts.